Zeitung Heute : Spree-Dreieck: "Foster ging keine Kompromisse ein" - Ein Gepräch mit Investor Müller-Spreer

Sie haben sich eines der wohl berühmtesten Ba

Sie haben sich eines der wohl berühmtesten Baugrundstücke in Berlin gesichert, das Spree-Dreieck am Bahnhof Friedrichstraße. Was hat Sie der Quadratmeter gekostet?

Wir haben mit dem Senat Stillschweigen über die Details des Vertrages vereinbart. Das Areal ist Teil eines Restitutionsvergleiches der Erben von Max Reinhardt mit dem Land Berlin. Im Streit waren Forderungen in Höhe von rund 100 Millionen Mark gegen das Land Berlin erhoben worden.

Ist das Grundstück so viel wert?

Das war nicht das Problem. Die Erbengemeinschaft hatte nach Max Reinhardt einen Restitutionsanspruch wegen der Arisierung des Deutschen Theaters angemeldet. Eine Rückgabe der klassizistischen Bauten oder gar des Theaterbetriebes wäre natürlich schwierig gewesen. Da wäre ja das gesamte Theater einschließlich Inventar an die Erbengemeinschaft zurückgegangen. Das lag nicht im öffentlichen Interesse der Stadt. Der Senat schlug daher schon Anfang der 90er Jahre einen Grundstückstausch vor. Nachdem wir als Entwickler mit der Erbengemeinschaft eine Einigung herbeigeführt hatten, war es möglich geworden, mit einer Stimme mit dem Senat zu verhandeln. Das Ergebnis ist nun, dass das Theater bei dem Land bleibt und wir dafür das Spreedreieck erhalten. Allerdings hat Finanzsenator Peter Kurth hart verhandelt, so dass wir uns verpflichten mußten, zusätzlich zu dem Restitutionsverzicht auf das Theater noch eine finanzielle Ausgleichszahlung zu leisten.

Nach so viel Kabale, kann da nicht doch noch im letzten Augenblick etwas schief gehen?

Das kann ich mir nicht vorstellen, da vor vier Wochen der Senat den Tausch mit der Erbengemeinschaft beschlossen hat und vor etwa vierzehn Tagen das Abgeordnetenhaus dem Tausch zugestimmt hat. Es ist ein dreiseitiger Vertrag mit den Erben, dem Land und mit uns als Projektentwickler.

Das heißt, ihre Gesellschaft ist jetzt der Projektentwickler?

Ja, und wir werden außerdem der Bauherr sein. Die Erben bekommen eine Abfindung.

Sie bringen ehrgeizige Pläne in Umlauf. Was haben Sie in Berlin bereits gebaut?

Wir haben in den letzten zehn Jahren umfänglich in Berlin investiert und sowohl Neubauten errichtet als auch Altbauten erworben und saniert.

Sie haben Lord Norman Foster gebeten, einen Entwurf für das Areal zu entwickeln. Ist das Modell ernst zu nehmen oder nur eine vorläufige Studie?

Wir waren inspiriert von dem in den 1920er Jahren von der Stadt selbst ausgelobten Hochhauswettbewerb für diesen Ort. Dann baten wir Lord Foster um einen am damaligen Entwurf Mies van der Rohes angelehnten Entwurf. Als der Wettbewerb im vergangenen Jahrhundert stattfand, war Mies van der Rohe noch relativ unbekannt. Durch seinen Entwurf wurde er weltberühmt. Obwohl Mies den Wettbewerb gar nicht gewonnen hatte, blieb sein Entwurf bis heute in Erinnerung. Sicher lag es daran, dass seine Zeichnungen der Zeit weit voraus waren. Das uns zur Verfügung stehende Modell ist ein Nachbau aus dem Archiv der Bauhaus-Universität zu Weimar.

Als ein besonderer Förder von Turmbauten ist der Berliner Senatsbaudirektor Hans Stimman nicht gerade bekannt. Kennt er Ihre Pläne?

Mit der Bauverwaltung haben wir noch nicht gesprochen, werden aber versuchen, mit ihr in eine konstruktive Diskussion einzutreten. Ich könnte mir denken, dass ein solches Gebäude realisierbar sein sollte. Schließlich hatte die Stadt solche Absichten an diesem Ort, und auch die Regierung in Ostberlin verfolgte zu Mauerzeiten einmal ähnliche Ideen.

Der Wert eines Grundstückes hängt immer von der Ausnutzungsdichte ab: also wieviel Fläche und Etagen man darauf stapeln kann. War ein Hochhaus nicht Teil der Abmachung mit dem Finanzsenat?

Nein, der Finanzsenator ist für Entschädigung, nicht aber fürs Baurecht zuständig.

Aber es wurde doch über die Höhe einer finanziellen Entschädigung gefeilscht...

Diese Diskussion stand nicht im Vordergrund, weil bei der Bewertung des Theaters kulturpolitische und historische Erwägungen im Zentrum standen. Das lässt sich nicht in Heller und Pfennig ausdrücken.

Im Modell ragt der Foster-Entwurf reichlich in die Höhe und wirkt wie ein Double der von ihm gestalteten Commerzbank in Frankfurt am Main...

Das ist er ganz und gar nicht. Foster lehnt sich an den Entwurf von Mies van der Rohe an mit einem wesentlichen Unterschied: Mies stand der ganze Platz, also auch die Fläche des Tränenpalastes und der Vorplatz des Bahnhofs Friedrichstraße für seine Überlegungen zur Verfügung. Fosters Entwurf sieht nur vor, die Spitze des Dreiecks zu bebauen. Der Tränenpalast steht unter Denkmalsschutz und bleibt natürlich erhalten. Foster legt eine sternförmige Konstruktion zugrunde. Darin greift er die Grundidee von Mies auf. Dasselbe betrifft die Einschnitte in den Grundkörper des Gebäudes. Mies hatte einen Stern um den Erschließungskörper für die Gebäudetechnik gezeichnet. Das hatte aber zur Folge, dass das Gebäude sehr tief war. Bei der jetzigen Grundstückssituation ist das nicht mehr realisierbar, es fehlen mindestens fünfzig Prozent der Fläche.

Was die Höhe betrifft, überragt Foster das IHZ scheinbar deutlich?

Mag sein. Foster hat die Gesamtproportion des Gebäudes im Auge. Das ist gut so, denn es ist nicht sinnvoll, ein Hochhaus einfach auf der halben Höhe abzuschneiden. Das Kant-Dreieck dürfte ein solches negatives Beispiel sein. Die Proportionen passen einfach nicht. Foster war nicht bereit, solche Kompromisse einzugehen.

Kompromisse geht der Bausenat ebensowenig ein, wenn es um den Schutz der Traufhöhe geht. Was macht Sie zuversichtlich, dass er sich von Ihnen umstimmen lässt?

Dass wir an die Tradition der 20er Jahre anknüpfen wollen. Vor dem Bahnhof an der Spree ist eine isolierte Betrachtung der Lage möglich, und das könnte den Bausenator überzeugen, hier unseren Solitär zu genehmigen, das ist zumindest meine Hoffnung.

Und Sie würden dabei ein wunderbares Geschäft machen: So viel Fläche, so viel mehr Mieteinnahmen, glänzen da nicht die Augen des Kaufmanns?

Nein, denn wir denken nicht daran, das Objekt zu veräußern. Außerdem ist das relativ zu sehen, weil ein solches Gebäude höhere Baukosten verschlingt als gewöhnliche Bauten, zumal die Immobilie sehr repräsentativ sein wird. Außerdem geht es mir nicht um den maximalen Profit an dieser Stelle, sondern um ein positives Signal und um die Realisierung einer historischen Idee.

Können Sie als Hamburger denn ermessen, was für Berlin das richtige Signal ist?

Zumindest beobachte ich eine enorm positive Stimmung in der Stadt. Sie ist wirtschaftlich und kulturell im Aufbruch, auf dem Weg zur Weltmetropole. Warum sollte Berlin also anders sein als London oder Paris? Hier passt ein Hochhaus in die Landschaft und das eines Stararchitekten wie Foster bringt zusätzlich einen enormen Imagetransfer für die Hauptstadt mit sich.

Wie hoch hinaus wollen Sie?

Wichtig ist, dass die Gesamtproportionen stimmen. Im übrigen muß das die politische Debatte ergeben. Das entscheidet der Senat und nicht ich.

Und wenn Sie einen Wunsch frei hätten?

Dann würde ich das umsetzen, was Lord Foster vorgeschlagen hat.

Was für einen Zeitplan haben Sie vor Augen, und gibt es schon interessierte Mieter?

Ein Baubeginn wird nicht vor 2002 möglich sein. Eine Fertigstellung im Jahr 2004 wäre dann realistisch. Was die Vermietung betrifft, befinden wir uns in ganz konkreten Gesprächen mit internationalen Großnutzern. Dabei kommen alle für Kerngebiete typischen Nutzungen in Frage. Festlegen können wir uns heute noch nicht, da die Gesamtfläche des Hauses und die Anforderungen der Nutzer bei dieser Entscheidung eine Rolle spielen. Der Mietpreis spielt zum augenblicklichen Zeitpunkt eine untergeordnete Rolle. Alle Gespräche mit Interessenten zeigen, daß diese Unternehmen sich in der deutschen Hauptstadt niederlassen wollen, und zwar in einer bedeutsamen Lage, im Regierungsviertel.

Warum haben Sie Norman Foster als Architekten ausgewählt?

Zum einen haben mich die durch das Büro Foster in der Vergangenheit errichteten Gebäude schon immer fasziniert. Zum anderen wurde ihm zuletzt auch der Mies-van-der-Rohe-Award verliehen, so dass mir die Verwirklichung hochwertiger moderner Architektur gewährleistet scheint. Die öffentliche Reaktion auf Fosters Arbeit am Reichstag ist sehr positiv. Immerhin gelingt es Foster, in vier Wochen so viele Menschen zum Besuch des Reichstags zu bewegen, wie in Bonn das ganze Jahr über in den Bundestag kamen. Und unser Grundstück liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Reichstag.

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