Zeitung Heute : Springer begrüßt mögliche Holding von Sat 1, Pro 7, Kabel 1

Matthias Hochstätter

Zuhause bei Kirchs brodelt wieder einmal die Gerüchteküche. Eine Holding wolle man nun zimmern, unter deren Dach alle Kirch-Sender im Trockenen stehen sollen. Die Senderfamilie wächst zusammen: Offiziell gibt Sohn Thomas am 1. Januar 2000 brav seine Anteile an der Pro 7 AG und Kabel 1 in Papa Leo Kirchs Media KG ab. Damit halten dann die Kirchs im neuen Jahrtausend fast 60 Prozent an Sat 1 und mehr als 58 Prozent an Pro 7 inklusive Kabel 1, der 100-prozentigen Pro 7-Tochter. Zu Gast bei den Kirchs weilt dann über den Jahreswechsel hinaus noch der Axel Springer Konzern (40 Prozent bei Sat 1) und die Handelsgruppe Rewe (über 41 Prozent bei Pro 7/Kabel 1).

Nun will aber eine intakte Familie auch gut organisiert sein. Und es gibt einiges, das man besser machen kann. Der erste Synergie-Effekt der Familien-Zusammenführung wird im neuen Jahr erst einmal der Umzug der Sat 1-Senderabwicklung von Mainz nach München sein. Die gemeinsame Ausstrahlung der Programme bei Pro 7 senkt die Kosten. Die Vermarktung der Sender aus einer Hand würde noch einmal Geld sparen. Für Pro 7-Sprecher Thorsten Rossmann ist "die gemeinsame Vermarktung durchaus vorstellbar". Derzeit zeichne sie sich jedoch nicht ab. Den größten Vorteil hätte die Familie jedoch aus einem gemeinsamen Programmeinkauf und der zentralen Programm-Planung der Kirch-Sender. Zu oft laufen zur gleichen Zeit auf Sat1 und Pro 7 Top-Filme gegeneinander an, und zu oft überschneiden sich hier die Zielgruppen. Leidtragende sind die Zuschauer-Quoten beider Sender.

Innerhalb der Kirch-Gruppe denkt man nun angestrengt über dieses Manko nach. Angeblich wird über eine Holding diskutiert, an der sich alle Eigner beteiligen sollen. Sat 1 und Pro 7 wären dann einträchtig unter einem Dach versammelt. An der Spitze könnte ein Programm-Chef stehen, der zielgruppengerecht die Filme an die Sender verteilt und somit Harmonie im Programm schafft. "Der gemeinsame Einkauf von Filmpaketen wäre nur für Sat 1 von Vorteil, nicht aber für Pro 7", erklärt Pro 7-Sprecher Rossmann, der von einer Holding nichts wissen will.

Bei Pro 7 in München, das zeigen die Gespräche vom Dienstag, ist man indigniert, mit dem Berliner Sender auf eine Stufe gestellt zu werden. Sat 1 hat nämlich keinen Zweitsender, wie es Kabel 1 für Pro 7 ist (am 24. Januar 2000 kommt der Nachrichtensender N 24 dazu). Während Pro 7 die Filme für die älteren Zielgruppen aus dem gekauften Filmpaket an Kabel 1 abgeben kann, bleiben die B- und C-Movies bei Sat 1 im Keller liegen. Ein Grund für die schnellen und anhaltenden Profite von Pro 7. Von einer gemeinsamen Holding würde deshalb vor allem der Axel Springer Verlag profitieren: Sat 1, ohnehin mit geringem Wachstumspotenzial, hätte den Kostenvorteil beim Programm-Einkauf und könnte die Rendite steigern.

Außerdem würde Springer am gemeinsamen Gewinn der Holding Anteil nehmen, der größer ausfallen würde als bei Sat 1, weil der hoch profitable Sender Pro 7 ja noch seinen Anteil in den gemeinsamen Topf werfen würde. Der designierte Vorstandsvorsitzende von Springer, Claus Larass, ist einer Holding auch nicht abgeneigt: "Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, ist Springer dabei", ließ Larass verlauten. Auch Springer-Sprecherin Edda Fels sieht den Vorteil für ihr Unternehmen: "Das steht doch in jedem Lehrbuch, dass Senderfamilien Sinn machen." Profitieren würden von der Holding alle außer Rewe. Wenn der Einzelhandelsgigant sein Aktienpaket an Pro 7 gegen eine Beteiligung an der Holding eintauscht, muss Rewe die Pro 7-Rendite mit Springer und Kirch teilen.

Der Gewinn vor Steuern der Pro 7 AG lag 1998 bei gut 320 Millionen Mark. Der Gewinn von Sat 1 wird hingegen auf weit unter 50 Millionen geschätzt. Rewe-Vorstandschef Hans Reischl hat sich zwar für eine Kooperation zwischen den Sendern ausgesprochen, "mehr gibt es dazu aber nicht zu sagen", heißt es aus der Rewe-Vorstandsetage. Die "Süddeutsche Zeitung" will bereits Informationen haben, dass Sat 1-Programmgeschäftsführer Fred Kogel für die Position des Programm-Chefs aller Kirch-Sender im Gespräch ist. Kogel wünschte sich schon im Sommer eine Verzahnung der drei Sender bei der Programm-Planung. Sein "Traum von einer Senderfamilie" könnte schon bald in Erfüllung gehen. Kogel wäre dann der einflussreichste Mann im deutschen Fernsehen: Die drei Kirch-Sender haben zusammen einen Marktanteil von gut 25 Prozent.

Fred Kogel jedenfalls war am Dienstag nicht zu sprechen, so wenig wie der noch amtierende Pro 7-Chef Georg Kofler. Dafür meldete sich noch Kirch-Sprecher Johannes Schmitz: "Arbeitsgruppen sind eingesetzt, Personalentscheidungen noch nicht getroffen". Erst würden die Sender miteinander reden, dann die Gesellschafter.

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