Zeitung Heute : Springer Heidelberg startet mit Link ins Internet

HOLGER SCHLÖSSER

160 Titel aus allen Fachrichtungen von Medizin bis Informatik im AngebotVON HOLGER SCHLÖSSER

Heute, am 15.Januar, beginnt für den Springer-Verlag Heidelberg eine neue Etappe auf dem Weg ins Informationszeitalter.Der Verlag, der sich auf wissenschaftliche Veröffentlichungen spezialisiert hat, startet die Testphase für ein neues Internet-Angebot namens Link (http://link.springer.de).Mit diesem Service bietet Springer Heidelberg zusätzlich zu den gedruckten Zeitschriften 160 Titel aus allen Fachrichtungen von Medizin und Physik bis zu Informatik und Umweltwissenschaften an, in die der Internet-Surfer elektronisch hineinschnuppern kann - will er den Artikel im Volltext lesen, wendet er sich an den Verlag, der ihm das Paßwort für den Zugang zu der Publikation per Post zuschickt.Verschiedene Bibliotheken und Universitäten im In- und Ausland sollen sich ebenfalls über Link mit dem Verlag austauschen. Als Einstiegsangebot in diesem Jahr wird der Springer-Verlag seine Volltexte im Internet allen Abonennten kostenlos anbieten.Im nächsten Jahr sollen alle Link-Kunden für die Volltexte zahlen, wobei der Verlag die Preise je nach Marktlage bestimmen wird.Offiziell wird Link, das bis zum Ende des Jahres über 200 Zeitschriftentitel anbieten soll, erst zur CeBIT am 15.März eingeweiht.
Anders als viele Verlage, die das Internet als zusätzliche Werbe-Plattform verstehen, nutzt Springer die Möglichkeiten des neuen Mediums und gibt dem oft beschworenen Wechsel vom "Atom zum Bit", der Entwicklung vom Papier zum elektronischen Medium, Gestalt: Er sucht die Vorteile des Internet für den Wissenschaftsbetrieb zu nützen, wo die schnelle Verbreitung von Informationen wichtig ist.Ein Text, der unter den herkömmlichen Bedingungen in einem Buch oder in einer Zeitschrift veröffentlicht wird, braucht unter Umständen Jahre, bis er auf dem Ladentisch oder in der Bibliothek liegt - Auch zum Schaden des Verlages, denn selbst dann ist ungewiß, ob das Werk einen Käufer findet.Dies wird sich nach Ansicht von Arnoud de Kemps, Verlagsdirektor Corporate Design des Springer-Verlags, jetzt ändern: Mit Link könne schnell und preiswert publiziert werden.Dabei behalte der Verlag seine traditionelle Aufgabe bei, die kritische Beurteilung von wissenschaftlichen Inhalten. Mit Hilfe von Link erscheinen die Artikel mit multimedialen Elementen wie beispielsweise Sound, Grafik-Animationen und Videosequenzen auf dem Bildschirm.Der Leser durchforstet Inhaltsangaben, liest die Kurzfassungen einzelner Texte oder gibt gezielte Suchbefehle ein und kann sich auf diese Weise über wissenschaftliche Veröffentlichungen des Verlags informieren, um daraufhin das Paßwort zu bestellen. Überdies kündigt der Geschäftsführer des Springer-Verlags, Hans-Ulrich Daniel, ein "Forum for Science" an: "Wissenschaftler können in moderierten Foren mit den Editoren des Verlags und den Herausgebern der Zeitschriften kommunizieren." Ferner hat Springer Heidelberg auch einen "Alarm-Service" eingerichtet, einen Informationsdienst, der nach einem persönlichen Profil gestaltet wird und den Benutzer per E-Mail über Neuigkeiten informiert. Der Aufwand für Link war groß: Nicht nur mußte der Verlag Arbeitsabläufe neu strukturieren und neue Mitarbeiter wie Medienpädagogen und Screendesigner einstellen, sondern auch große Summen in leistungsfähige Computertechnologien investieren.Die Macher von Link rechnen damit, in drei bis fünf Jahren kostendeckend zu arbeiten.Nach den Worten von Arnoud de Kemp blieb dem Verlag nichts anderes übrig, als diesen Schritt zu wagen, wenn er den Anschluß an die technische Entwicklung nicht verlieren wollte."Wir befinden uns am Übergang vom Papier zu den elektronischen Medien." Schließlich, so stimmt er in den Choral der Branche ein, sind "Informationen der Rohstoff für die Innovation von morgen".

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