Zeitung Heute : Sprung auf die nationale Bühne geplant

MAURICE SHAHD

Mit der Interactive Networx GmbH testen wir in dieser Ausgabe den mit 22 000 Privat- und 800 Geschäftskunden größten Berliner Internet-Provider - läßt man die großen Online-Dienste unberücksichtigt.Bekannt wurde das 1994 gegründete Unternehmen mit seinem Produkt "Snafu", dem Internet-Zugang für Privatkunden.Der Zugang zum Internet für Geschäftskunden firmiert unter dem Namen "Inx".Drittes und neuestes Standbein des aufstrebenden Providers ist der Bereich "Mobile.Com", der den Kunden die standortunabhängige Datenkommunikation ermöglichen soll, zum Beispiel das Versenden von E-Mails per Handy.Für Schlagzeilen sorgte Interactive Networx zuletzt im Juni, als bekannt wurde, daß der amerikanische Internet-Provider PSINet das Berliner Unternehmen übernommen hat.

PSINet ist ein weltweit agierender Provider, der sich auf Geschäftskunden spezialisiert hat und mehr als 30 000 Kunden in diesem Bereich zählt."Wir wären zwar auch alleine gut zurecht gekommen, das aber zu Lasten eines größeren Wachstums", beschreibt Robert Rothe, einer der Gründer und Geschäftsführer von Interactive Networx, den Grund für die Übernahme.PSINet verfüge zudem über eigene Übertragungskapazitäten, was "in Zukunft entscheidend für die Marktstellung eines Providers" sein werde, so Rothe, da der Provider seinen Kunden einen zuverlässigen Datentransfer garantieren müsse.

In diesem Jahr rechnet Interactive Networx mit einem Umsatz in Höhe von 17 Millionen Mark, sieben Millionen Mark mehr als im Jahr zuvor.Bis Ende des Jahres will sich das Unternehmen durch die Einrichtung weiterer Einwahlknoten und eine bundeseinheitliche Einwahlnummer als national agierender Provider präsentieren."Das Wachstum muß aber auch wirtschaftlich sein.Ausgehend von den großen Städten wollen wir in einer zweiten Stufe das Angebot auch in der Fläche ausdehnen", erläutert Rothe.Er sieht Snafu als Alternative zu den klassischen Online-Diensten.Konkurrenten wie T-Online und AOL will der junge Geschäftsmann mit einem schnellen Internet-Zugang und gutem Service aus dem Feld schlagen.Bisher gelang ihm das recht erfolgreich.Kundenzahl und Umsatz wachsen stetig, und im vergangenen Jahr erhielt das Unternehmen den Dienstleistungspreis der Unternehmensberatung Kienbaum und Partner.



Auch im Test kann Snafu mit guten Service-Leistungen glänzen.Die Freischaltung des Zugangs erfolgte innerhalb von 24 Stunden.Für die Einrichtung am heimischen PC wird eine ausführliche Installationsanleitung und eine CD-ROM mitgeliefert, die sämtliche gängigen Software-Programme für das Internet enthält.Die Hotline ist in der Woche von 9 bis 20 Uhr besetzt, worüber sich insbesondere die werktätige Bevölkerung freuen dürfte.Auf der übersichtlich gestalteten Homepage des Providers finden sich weitere Informationen rund um das Internet sowie zahlreiche Links.

Der gut bestückte Newsserver wird eigens von zwei Mitarbeitern gepflegt und nach strafbaren Inhalten durchsucht.Die Sperrung bestimmter Newsgroups führte in den Diskussionsforen der Snafu-Kunden zu teilweise hitzigen Debatten und brachten dem Provider auch den Vorwurf der Zensur ein.Trotzdem werde man laut Rothe bei der eingeschlagenen Linie bleiben und fragwürdige Newsgroups sperren.



Im Geschwindigkeitstest erreicht Snafu ordentliche Werte.Der Download der 486 Kilobyte großen Testdatei dauerte analog im Durchschnitt zweieinhalb Minuten.Die durchschnittliche maximale Übertragungsrate lag bei 2,8 Kilobit pro Sekunde (Kbps).Leider kam mit unserem Test-Modem Elsa Mikrolink 56k häufig nur eine Verbindung mit 33 600 bps zustande, was nicht der maximalen Übertragungskapazität des Gerätes entspricht.Nach Angaben des Providers gebe es bei diesem Modem Probleme mit dem neuen Übertragungsstandard V.90, die aber bald behoben sein sollen.Die Übertragung per ISDN dauerte im Durchschnitt eine Minute und dreißig Sekunden bei einer durchschnittlichen maximalen Übertragungsrate in Höhe von 4,4 Kbps.Übrigens wird von Snafu nicht das Microsoft-Programm Frontpage unterstützt, mit dem auf einfache Weise Homepages gestaltet werden können.Zur Begründung heißt es, die Software stelle ein "Sicherheitsloch" dar.Rothe: "Es sind bereits Server geknackt worden - das können wir uns nicht leisten."



Der Internet-Anschluß kostet bei Snafu in der Standardversion 25 Mark im Monat.Dafür erhält der Kunde 15 Stunden freie Online-Zeit, für jede weitere angefangene Stunde werden 1 Mark 25 berechnet.Damit zählt Snafu nicht gerade zu den billigsten Anbietern.Immer mehr Provider drängen mit Pauschaltarifen auf den Markt und bieten unbegrenzte Internet-Nutzung für monatlich etwa 30 Mark.Trotzdem bleiben die Kosten überschaubar, wenn man kein Dauersurfer ist und gelegentlich die bereits online verbrachte Zeit auf der Homepage des Providers überprüft.Mit ordentlichen Geschwindigkeitswerten und einem sehr guten Service, der insbesondere für Einsteiger interessant ist, verdient sich Snafu die Bewertung "gut".Als lokaler Provider hat Snafu bewiesen, daß er in der Lage ist, auch einer großen Anzahl von Kunden Schnelligkeit und guten Service zu bieten.Man darf gespannt sein, ob der Sprung auf die nationale Bühne gelingen wird.

Der große Provider-Test erscheint immer mittwochs.Bisher getestet: Trionet (29.Juli), Sireco (5.August), Ginko (12.August).Zahlreiche Leser haben uns bereits ihre Meinung über ihren Provider mitgeteilt.Wir freuen uns weiter über E-Mails unter dem Stichwort "Provider-Test" an die Adresse interaktiv@tagesspiegel.de

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