Zeitung Heute : Spurensuche mit Schnüffler Philip Marlowe und den TKKG-Kindern

KURT SAGATZ

Neue Detektivgeschichten für den PC / Originalgetreue Handlung und das Flair der 40er Jahre in den USA / Titel sowohl für Erwachsene als auch für KidsVON KURT SAGATZ"Mein Name ist Marlowe, Philip Marlowe.Ich bin zugelassener Privatdetektiv.Man wird nicht reich in diesem Gewerbe.Manchmal wird man verprügelt, bekommt eine Kugel ab oder landet im Gefängnis.Manchmal stirbt man sogar dabei.Jeden Monat entscheidet man, den Beruf an den Nagel zu hängen.Doch dann steht ein neues Gesicht mit einem neuen Problem in der Tür.Haben sie Ärger, was kann ich für sie tun?" Die Einleitung des Computer-Detektivspiels "Private Eye", gesprochen in der aus Filmen hinlänglich bekannten rauhbeinigen Art des vom Leben frustrierten Privatdetektivs Marlowe und untermalt von der ebenfalls bestens vertrauten jazzigen Barmusik aus den 40er Jahren, führt ohne Umschweife zum Kern der Handlung.Die junge Orfamay Quest ­ ohne Brille und Dutt eine durchaus attraktive Erscheinung ­ bittet den zynischen Ermittler, ihren verschollenen Bruder ausfindig zu machen.Die Auskünfte sind mager, das Honorar ebenfalls ­ nun liegt es am Spieler, das Beste aus diesem Job zu machen. Die Vorlage zu dem im Stil des Film noir hergestellten Spiels mit den gezeichneten, aber nichtsdestoweniger lebendigen Figuren und deren durchweg stimmigen Mienenspiel stammt von Krimi-Großmeister Raymond Chandler.Die Basishandlung wurde originalgetreu dem 1949 erschienenen Roman "Die kleine Schwester" entnommen, ganze Textpassagen flossen in die Produktion von Brooklyn multimedia ein.Wer des Rätsels Lösung bereits aus dem gedruckten Werk kennt, kann sich zu Beginn des Spiels auch für die alternativen Handlungswege entscheiden, denn in "Private Eyes" führen mehrere Wege zum Ziel. Wie aus ähnlichen Adventures bekannt, müssen auch in diesem Spiel verschiedene Zeugen befragt und Verdächtige unter Druck gesetzt werden.Versehen mit den ersten Anhaltspunkten werden ­ wie sollte es in einem US-Krimi anders sein ­ per Automobil die diversen Schauplätze der Handlung in Los Angeles aufgesucht.Dort gilt es zum einen, mit den Beteiligten, beispielsweise dem früheren Arbeitgeber des Bruders, seinem ehemaligen Zimmernachbarn oder anderen dubiosen Figuren aus der Filmszene und der Unterwelt Hollywoods Kontakt aufzunehmen.Zum anderen ist es von Zeit zu Zeit vonnöten, auch einmal das Gesetz zu brechen, um in Wohnungen einzubrechen, diese zu untersuchen und dort gegebenenfalls Spuren sicherzustellen.Doch aufgepaßt: Wer sich beim Ausspähen allzuviel Zeit läßt, wird von der Polizei verhaftet. Ergänzend zur CD-ROM werden zum Spiel, zur Person Philip Marlowes und zum Autor Raymond Chandler Zusatzinformationen über das Internet verbreitet.Ein entsprechener Link zum englischsprachigen Angebot wird zusammen mit dem Spiel auf dem Rechner installiert.Lösungen und Tips zur Bewältigung der detektivistischen Aufgaben werden dort ­ genauso wie im Spiel oder der Anleitung ­ allerdings vergeblich gesucht. Detektivspiele für den PC sind beileibe keine Domäne von Jugendlichen und Erwachsenen.Auch für die jüngeren Spieler existieren entsprechende Angebote, die zum Teil an erfolgreiche Buchreihen angelehnt sind.Der Berliner Multimedia-Verlag Tivola hat nach dem Spiel "Ein Fall für Mütze & Co." aus dem Vorjahr nun eine zweite kriminologische Spielgeschichte für Kinder mit dem Titel "TKKG! Katjas Geheimnis" auf den Markt gebracht. Die vier jungen Meisterdetektive ­ Tim, Karl, Klößchen und Gaby ­ müssen in diesem verzwickten zweisprachigen Spiel (wahlweise deutsch oder englisch) ihre Freundin Katja finden, die (nahezu) spurlos verschwunden ist.Wie bei den Spielen für die Großen kann das Rätsel nur durch eifriges Befragen und Spurensuchen gelöst werden.Dies ist allerdings einfacher gesagt als getan, denn allzu hilfsbereit sind die meisten Zeugen nicht.Genau wie in "Private Eye" empfiehlt es sich, nicht gleich beim ersten Versuch die Flinte ins Korn zu werfen.Mitunter bringt erst ein zweiter Besuch das eine oder andere Geheimnis, zum Beispiel beim zwielichtigen Nachhilfelehrer Peter, zum Vorschein. Die Navigationselemente sind zum großen Teil dem noch immer empfehlenswerten "Mütze"-Detektivspiel entliehen, was den Umgang für Kenner von Tivola-Spielen erleichtert.Auf dem zentralen Bildschirm befindet sich die detailreich gezeichnete Ansicht der Stadt mit den verschiedenen Schauplätzen, die per Maus zu erreichen sind.Wie bei "Mütze" müssen die Spieler wahlweise in die Rollen der vier Detektive schlüpfen, um so die Stärken des jeweiligen Protagonisten ausspielen zu können.Leider fehlt dem Spiel eine selbsterklärende Online-Hilfe und auch ein Notizbuch, in dem der bisherige Verlauf der Ermittlungen aufgeschrieben wird, wäre hilfreich.So wird der aktuelle Spielstand zwar gespeichert, doch bis zum nächsten Aufruf von TKKG haben die Kinder vieles von ihren Entdeckungen vielleicht schon wieder vergessen.Sinn für die Liebe der Kinder zu Geheimnissen zeigt das Spiel allerdings durch so liebevolle Details wie die Dechiffrierscheibe, die entdeckt und ausgedruckt werden muß.Nur mit ihrer Hilfe können die entscheidenden Botschaften entschlüsselt werden. "Private Eye", Bomico, rund 100 DM.Systemvoraussetzungen: Multimedia-PC ab 486 DX 66, besser Pentium, Windows 3.1 oder 95."TKKG: Katjas Geheimnis", Tivola, 49 DM.Systemvoraussetzungen: Multimedia-PC ab 486er DX, Win 3.1 oder 95 oder entsprechender Macintosh ab System 7.1.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben