Zeitung Heute : Staatsanwalt prüft Ermittlung gegen Kaminski

THORSTEN METZNER

Baustadtrat räumt nach Korruptionsvorwürfen Fehler ein / Untersuchungsausschuß möglichVON THORSTEN METZNER POTSDAM.Die Potsdamer Staatsanwaltschaft prüft, ob gegen Baustadtrat Detlef Kaminski wegen der Bestechungsvorwürfe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.Am Montag soll sich auf Antrag der PDS der Hauptausschuß im Rathaus mit der Affäre befassen.Das Bürgerbündnis erwägt die Beantragung eines Untersuchungsausschusses.Oberbürgermeister Horst Gramlich stellte sich hinter den Baustadtrat, der 1992 mit der Bayerischen Vereinsbank einen notariell beglaubigten Optionsvertrag über den Kauf einer Eigentumswohnung in der Potsdamer Innenstadt zu Vorzugskonditionen unterschrieben hat - laut Vertrag, der dem Tagesspiegel vorliegt, auf Kaminskis Wunsch.Kaminski räumte erstmals Fehler ein. "Die Vorwürfe wiegen so schwer, daß sie sorgfältig geprüft werden müssen", sagte die parteilose Bürgermeisterin Beate Hoffmann, eine ehemalige Verwaltungsrichterin, die im Rathaus auch für Rechtsangelegenheiten zuständig ist."Ich kann Bestechlichkeit nicht einmal im Ansatz erkennen", erklärte dagegen Oberbürgermeister Gramlich.Das Baugenehmigungs- und Grundstücksverkaufsverfahren sei "förmlich korrekt" gelaufen.Daß die Baugenehmigung vor Abschluß der Kaufvertrages erteilt wurde, sei üblich gewesen. "Dummheit muß bestraft werden", sagte Kaminski.Es sei ein Fehler gewesen, daß er den Optionsvertrag unterzeichnet habe.Trotz gegenteiliger Angaben aus dem Gutachterausschuß hielt Kaminski an seinen bisherigen Aussagen fest, daß ein Quadratmeterpreis von 2850 Mark in der Potsdamer Innenstadt im Jahr 1992 deutlich über dem damals üblichen Wert gelegen habe.Kaminski will rechtliche Schritte gegen den früheren Banker A. prüfen, der die Bestechungsvorwürfe erhoben hat.A. steht vor Gericht, weil er den Bauunternehmer Holger Behnke - ein Kaminski-Freund - zu Zahlungen erpreßt haben soll. Gramlich bestätigte, daß er Kaminski von der Einlösung des 92er Optionsvertrages abgeraten habe, was dieser nach eigenen Angaben auch tat.Allerdings hat Kaminski erst drei Jahre später, "nämlich im Januar/Februar 1996 nach meiner Erinnerung schriftlich" bei der Bayerischen Vereinsbank gekündigt, nachdem er im November 1995 eine Mietwohnung in der Potsdamer Weinmeisterstraße bezogen hatte.Die Villa gehört seinem Freund Holger Behnke. Behnke hatte vor Gericht ausgesagt, im September 1995 von A. erpreßt worden zu sein, dem Banker eine Eigentumswohnung um 250 000 Mark billiger zu verkaufen.Einen zweiten Erpressungsversuch im Januar 1996 hatte Behnke heimlich auf Tonband mitgeschnitten, dann der Bayerischen Vereinsbank und der Staatsanwaltschaft zugeleitet.Dieses Tonband hat laut Kaminski dazu geführt, daß er jegliche Verbindung zu A., mit dem er vorher befreundet war, abgebrochen habe.Daß er erst zu diesem Zeitpunkt den umstrittenen Optionsvertrag gekündigt habe, stehe damit jedoch nicht in Zusammenhang.Kaminski wies zugleich den Vorwurf von A. zurück, daß ein Wohnungsringtausch mit Behnke geplant gewesen sei, um die Spuren des Wohnungskaufs zu verwischen.Laut Optionsvertrag habe nur er - oder ein Familienangehöriger - die Wohnung kaufen dürfen.

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