Zeitung Heute : Stabiler Baustoff mit Durchblick

Sicherheitsglas schützt vor Verletzungen

Thomas Voigt (ddp)

Fenster, Türen, ganze Fronten oder Fassaden werden aus dem durchsichtigen Baustoff hergestellt: Glas ist aus dem modernen Hausbau nicht wegzudenken. „Doch allzu häufig ist das im und am Haus verwendete Glas von vorgestern“, beklagt Jochen Grönegräs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Flachglas in Troisdorf. „Das bedeutet allerhöchste Verletzungsgefahr, besonders wenn Kinder im Haushalt wohnen.“ Nach seiner Erfahrung enthalten zum Beispiel sogenannte Lichtausschnitte in Zimmertüren oft einfaches Normalglas. Dabei gebe es seit vielen Jahren für jeden Bereich im Haus Sicherheitsgläser.

Vor allem zwei Sorten kommen dabei zum Einsatz. Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) besteht aus einer einzigen, speziell wärmebehandelten Scheibe. „Dadurch besitzt das Glas eine erhöhte Stoß- und Schlagfestigkeit“, erklärt Grönegräs. „Außerdem ist es unempfindlich gegenüber Temperaturunterschieden.“ Sollte es dennoch zerbrechen, zerfällt es in kleinste Krümel. Im Automobilbau wird es daher bereits seit Jahrzehnten für Seitenscheiben eingesetzt und verhindert Schnitt- und Stoßverletzungen.

Verbund-Sicherheitsglas (VSG) dagegen verdankt seine Sicherheitseigenschaften einer reißfesten Folie zwischen den Glasscheiben. Dadurch bindet es Splitter, ist je nach Aufbau nur schwer zu durchdringen und bleibt auch beim Bruch noch für einen längeren Zeitraum in einem Stück. Es wird laut Grönegräs daher immer dann angewendet, wenn die Öffnung im Schadensfall verschlossen bleiben oder ein Herabfallen von Scherben vermieden werden soll. „Auch hier ist das Auto ein perfektes Einsatzbeispiel außerhalb des Hauses: Die Frontscheibe besteht aus Verbund-Sicherheitsglas und schützt so die Insassen im Schadensfall vor herumfliegenden Glasscherben und auf die Scheibe treffenden Gegenständen.“ In Haus und Wohnung habe sich Verbund-Sicherheitsglas bei Fenstern und Außentüren durchgesetzt.

Sicherheitsglas ist nach Angaben des Experten allgegenwärtig in der Architektur: Großflächige Außenfassaden und bodentiefe Fensterflächen zählen ebenso zu den Anwendungsgebieten wie gläserne Zwischenwände im Innenbereich oder die derzeit trendigen gläsernen Decken, Treppen, Fußböden oder Duschen. „Im Badezimmer mit gehobener Ausstattung bringen Elemente aus Glas den letzten Schliff“, sagt Michael Dobbe aus dem Vorstand im Bundesverband Flachglas. Für den Geschäftsführer eines Glasveredelungsunternehmens sind Ganzglasduschkabinen oder Duschabtrennungen aus klarem, getöntem oder ornamentiertem Glas nicht nur schön, sondern auch praktisch: Glas sei pflegeleicht, abwaschbar, daher hygienisch und könne zudem mit einer speziellen Beschichtung versehen werden, durch die das Wasser rasch und fast spurenlos ablaufe.

Aus Sicherheitsglas gefertigt, können auch Waschtische und -becken, Regalkonstruktionen, Fußböden oder Trennwände auf originelle und stilvolle Weise gestaltet werden. „Trennwände sorgen für sinnvolle Unterteilungen in Wohnräumen“, unterstreicht Dobbe. Dabei habe Glas den Vorzug, gleichzeitig zu trennen und zu verbinden. Denn mit Trennwänden aus Ornament- oder Designglas bleibt auch der abgeteilte Bereich von Tageslicht erhellt, zugleich verleihen die Struktur beziehungsweise das Muster auf der Glasoberfläche den nötigen Sichtschutz.Thomas Voigt (ddp)

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