Zeitung Heute : Stadt in Schale

Heute beginnen die Messen und die Schauen. Berlin ist für den deutschen Modemarkt zentral – und hat international seine Nische gefunden.

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Um ein für allemal mit einem hartnäckigen Vorurteil aufzuräumen: Nein, auf der Bread & Butter gibt es keinen Laufsteg. Da laufen auch keine Models in feinen Designerkleidern herum. Das passiert vornehmlich vor dem Brandenburger Tor, im Zelt der Mercedes-Benz Fashion Week. Auch wenn das alles unter dem Oberbegriff Modewoche zusammengefasst wird (oder auch, Achtung Verwirrung, unter dem Begriff Fashion Week): Es handelt sich um unterschiedliche Veranstaltungen mit unterschiedlichen Funktionen. Aber mit Bekleidung haben sie alle zu tun. Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof geht es nicht um Glamour, sondern ums Geschäft. Denn die Bread & Butter ist in erster Linie eine Messe, ein Ort, an dem sich Hersteller und Einkäufer treffen, um sich über die neuste Jeans- und Sportswear zu informieren. Da die Atmosphäre einer Messe zur Branche passen muss, ist es dort dann eben etwas bunter und lauter als etwa auf der Internationalen Luftfahrtausstellung. Es geht aber keineswegs nur um Partys – ein weiteres hartnäckiges Klischee.

Geschäfte mit Kleidern, Hemden und Hosen werden bis zum Wochenende auch an vielen anderen Orten in Berlin gemacht. Auf der Premium, dem zweiten Giganten unter den hiesigen Modemessen, aber auch auf zahlreichen anderen Veranstaltungen. Etwa der Bright, einer Messe für Skatermode, die fast wie ein spezialisierter Arm der Bread & Butter wirkt. Zu einem eigenen Schwerpunkt hat sich die grüne Mode entwickelt. Kleider, die ökologisch einwandfrei produziert werden, findet man gleich auf drei Veranstaltungen, von denen die Ethical Fashion Show ein neuer Ableger aus Paris ist.

Die Modenschauen sollen vor allem mediale Aufmerksamkeit wecken und helfen, die Namen der Designer bekannt zu machen. Im Falle von Marken wie Lala Berlin, Michalsky und Kaviar Gauche hat das schon gut funktioniert. Was der Mercedes-Benz Fashion Week an großen Marken fehlt, kann sie mit den vielen jungen Designern, die erst kurze Zeit am Markt sind, wieder wettmachen. Die Hoffnung, bei der Schau eines Anfängers das nächste große Talent zu entdecken, hat gerade in Berlin schon Tradition.

Mittlerweile wird in der Stadt zweimal im Jahr an drei Tagen fast alles gehandelt, was man anziehen kann – für den deutschen Markt ist die Modewoche inzwischen zentral. Nur für Luxusmarken wie Chanel oder Gucci muss die Branche weiterhin nach Paris oder Mailand fahren. Diese traditionellen Modemetropolen haben deshalb noch einen Vorsprung, weil sich dieser Tage die Messen und Schauen häufen. Berlin musste sich eine Lücke im engen internationalen Terminkalender der Branche suchen, der immer noch von den älteren Modemetropolen vorgegeben wird. Aber die gefundene Nische ist eine wichtige: Viele neue Kleider werden hier in Berlin zum ersten Mal in der Saison gesehen – und vielleicht ein paar Wochen später in Paris geordert.Jan Schröder und Grit Thönnissen

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