Zeitung Heute : Ständig besetzt: AOL zahlt

Internet-Provider zu 150 Millionen Dollar Strafe verurteiltVON ROBERT VON RIMSCHAAmerica Online, (AOL), der größte Internet-Provider der Vereinigten Staaten, muß eine Zwangspause einlegen.Das Unternehmen darf den gesamten Februar über nicht werben, die AOL-Kunden bekommen ihr Geld zurück - mit dieser außergerichtlichen Einigung soll der Schlußstrich unter die "tut tut tut"-Affäre gezogen werden: Diese Bezeichnung verliehen ihr frustrierte Amerikaner, weil AOLs Internet-Zugang ständig besetzt war.Vergeblich versuchten sie vor allem in den Abendstunden, ins Netz vorzudringen. Monatelang hatte das Unternehmen damit geworben, seinen Kunden lediglich eine einheitliche Grundgebühr für den unbegrenzten Zugang zum Internet in Rechnung zu stellen; der erste Monat kostete sie darüber hinaus gar nichts.Daraufhin abbonierten hunderttausende Amerikaner innerhalb weniger Wochen im Oktober und November 1996 den Online-Dienst von AOL.Zur Weihnachtszeit kulminierten die Besetzt-Zeichen und der Frust. Bei einem Treffen der AOL-Spitze mit mehreren Justizministern der Bundesstaaten einigte man sich diese Woche: Die bereits produzierte und gebuchte Werbung für den Monat Februar wird nicht geschaltet beziehungsweise gesendet, die Kunden können, abhängig von ihrer durchschnittlichen Internet-Nutzung, bis zu 40 Dollar pro Monat erstattet bekommen, AOL zahlt Strafgebühren für irreführende Werbung und muß von März an darauf hinweisen, daß mit dauernden Besetzt-Zeichen zu rechnen ist.Brancheninsider schätzen, daß das Gesamtvolumen der außergerichtlichen Einigung inzwischen bei 140 bis 160 Millionen Dollar liegt. Was noch lange nicht alles ist.In mehreren Bundesstaaten haben frustrierte AOL-Benutzer Sammelklagen gegen den Provider eingereicht.Wer nachweisen kann, daß ihm geschäftliche Verluste durch die dauernden Besetzt-Zeichen entstanden sind, kann mit erheblichem Schadenersatz rechnen.Und dann sind da noch jene gut 300 Millionen Dollar, die AOL für die Nachrüstung seiner Kapazitäten ausgeben will. Die gescheiterte Expansion freut die Konkurrenz.Das Unternehmen CompuServe, das in den USA erheblich kleiner ist als AOL, Microsoft Network und die anderen, wirbt jetzt hämisch mit dem Mißgeschick des großen Konkurrenten: Wer wechseln will, braucht nur die Telefonnummer "1800 not busy" zu wählen.
01./02.02.97

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