Zeitung Heute : Standhaft

Hilfsorganisationen bleiben trotz der Anschläge im Land

Tobias Betz

Der Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad stellt auch die internationalen Hilfsorganisationen vor die Frage, ob ein weiterer Einsatz im Irak noch zu verantworten ist. Viele Organisationen wollen aber, genauso wie die Vereinten Nationen, ihr Engagement in der Krisenregion nicht abbrechen. „Die Arbeit geht weiter wie bisher“, sagt Fredrik Barkenhammer, Pressereferent des Deutschen Roten Kreuzes.

Ganz wohl ist den Hilfsorganisationen angesichts der sich zuspitzenden Sicherheitslage im Irak allerdings nicht. „Man muss sich die Frage stellen, wie lange macht es noch Sinn,“ sagt Renate Pfanzelt, von der Organisation „Architects for people in need“, die sich um die Versorgung mit Trinkwasser kümmert. Ihre Organisation habe aber nicht vor, die USA um Schutz zu bitten. „Wir wollen keine Panzer vor der Tür“, betont sie. Ihre Hilfsorganisation lehnt dies aufgrund eigener Prinzipien ab, um die Neutralität im Irak weiterhin zu wahren.

Den Grund für die derzeitig prekäre Situation sehen beide in den Versäumnissen der Koalitionstruppen beim Wiederaufbau und der Stabilisierung des Landes. „Eine Besatzungsmacht hat die Aufgabe für Sicherheit und Ordnung zu sorgen“, sagt Barkenhammer. Das Leben im Irak müsse wieder funktionieren. Nach dem Anschlag auf zwei Mitarbeiter des Roten Kreuzes im Juli, bei dem ein 37-Jähriger ums Leben kam, habe man sich jedoch gefragt, ob man selbst fehlerlos gearbeitet habe.

Erste Sicherheitsvorkehrungen sind von den Hilfsorganisationen bereits getroffen worden. Mitarbeiter sollten sich möglichst in geschützten Gebäuden aufhalten und in Fahrzeugkolonnen reisen. Den Organisationen ist aber bewusst, dass diese Maßnahmen noch keinen ausreichenden Schutz bieten. „Das ist kein Sonntagsspaziergang. Wir gehen diese Gefährdung in der Region ein,“ weiß Pfanzelt um die Realität im Irak.

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