Zeitung Heute : Starker Rückhalt für Rot-Grün bei den SPD-Wählern

BONN .Die SPD-Wähler haben sich mit deutlicher Mehrheit für die Bildung einer rot-grünen Koalition nach dem Wahlsieg ihrer Partei ausgesprochen.Nach einer Analyse des Wahlergebnisses sprachen sich laut Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen 46 Prozent der SPD-Wähler für Rot-Grün aus.Eine Große Koalition mit der Union wollen dagegen nur 27 Prozent der SPD-Wähler.

Von sämtlichen Wählern votierten laut ZDF-Analyse 28 Prozent für eine große Koalition und 25 Prozent für eine rot-grüne Regierung.Für die amtierende Regierung von Union und FDP sprachen sich 16 Prozent, für eine Koalition von SPD und FDP zwei Prozent aus.

Die Niederlage der Union bei der Bundestagswahl ist nach Einschätzung des Hamburger Politikprofessors Joachim Raschke "ganz offenkundig ein Plebiszit gegen Kohl".Die CDU habe es versäumt, statt des Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) einen neuen Kanzlerkandidaten zu präsentieren."Der Kanzler war verbraucht", sagte Raschke im ZDF.Die Bedeutung des Ergebnisses schätzte Raschke hoch ein: "Ein Machtwechsel ist immer eine historische Wahl."

Nach Ansicht Raschkes wird es auch bei knapper Mehrheit eine rot-grüne Regierung in Bonn geben."Man muß es machen, ob es reicht, wird man später sehen", sagte Raschke.Im historischen Rückblick zeigte sich der Politikprofessor optimistisch über Arbeitsmöglichkeiten von knappen Mehrheiten."Kleine Mehrheiten haben große Veränderungen gebracht", sagte Raschke mit Blick auf die sozialliberale Koalition unter SPD-Kanzler Willi Brandt.

Die Unions-Verluste machte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vor allem an der CDU fest.Danach mußte die CDU bundesweit - außer Bayern - Verluste von 5,7 Prozent hinnehmen.Die CSU verlor in Bayern dagegen nur 0,8 Prozent.

Nach einer ARD-Analyse des Berliner Meinungsforschungsinstitutes Infratest dimap haben sich 15 Prozent der Wahler erst am Wahlsonntag für eine Partei entschieden.Bei den Erstwählern votierten 34 Prozent für die SPD, 31 Prozent entschieden sich für die Union.Die Grünen kamen danach bei den Erstwählern auf zehn Prozent.Die FDP landete bei sieben, die PDS bei sechs und die rechtsradikale DVU bei fünf Prozent.In Ostdeutschland konnte dagegen die PDS mit 21 Prozent viele Erstwähler für sich gewinnen.Die SPD kam hier in dieser Wählergruppe auf 27, die CDU auf 24 Prozent.Die rechtsextreme DVU liegt mit acht Prozent noch vor Grünen und FDP mit jeweils sieben Prozent.

Die Arbeitslosigkeit war für die Wähler wichtigstes Thema.Nach der ARD-Analyse bezeichneten 95 Prozent der Befragten die Arbeitslosigkeit als wichtigstes Topthema für ihre Wahlentscheidung.Mehr Arbeit schaffen kann nach Ansicht von 43 Prozent der Wähler die SPD, nur 28 Prozent sehen hier die Union vorn.Von den Arbeitern votierten nach Angaben von Infratest dimap 48 Prozent für die SPD, 30 Prozent für die Union.Bei den Angestellten kam die SPD auf 44, die Union auf 31 Prozent.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar