Zeitung Heute : Start gelungen

KLAUS KURPJUWEIT

Die Überraschung ist gelungen.Erstaunlich ist dabei nicht, daß der Essener Hochtief-Konzern den Zuschlag für den Bau und Betrieb des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld erhalten hat.Beide Bewerber, auch die IVG-Gruppe aus Bonn, hatten sehr ähnliche Angebote unterbreitet.Allerdings hatte sich Hochtief kurz vor Schluß einen Startvorteil verschafft, indem das Konsortium noch schnell die Bankgesellschaft Berlin mit an Bord nahm, während die IVG-Gruppe nach dem überraschenden Ausstieg der Dresdner Bank aus ihrem Konsortium doch etwas vom Kurs abgekommen war.Verblüffend für Berliner Verhältnisse ist vielmehr, daß es gelungen ist, innerhalb von nicht einmal einer Woche den künftigen Flughafen-Betreiber auszuwählen, mit dem nun aber vor einem Vertragsabschluß noch weitere Verhandlungen geführt werden.

Um den Standort des künftigen Alleinflughafens hatten sich die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund immerhin Jahre gestritten.Viel Zeit ist dabei davongeflogen, die nun wieder aufgeholt werden muß, damit sich der neue Flughafen tatsächlich zu einem Drehkreuz entwickeln kann.Denn nur dann geht auch die wirtschaftliche Rechnung des neuen Betreibers auf.

Gewinnen werden auf jeden Fall viele Berliner, wenn die Flughäfen in Tegel und Tempelhof wegen des Neubaus in Schönefeld geschlossen werden.Über ihren Dächern wird es leiser und sicherer.Vielen Passagieren wird der Abschied von den Innenstadt-Flughäfen mit den kurzen Wegen dagegen schwer fallen.Deshalb dürfen sich die Anstrengungen jetzt nicht auf die weiteren Privatisierungs-Verhandlungen und später auf den Bau des Flughafens in Schönefeld beschränken.Nicht weniger wichtig ist, daß dieser Standort auch akzeptiert wird.Und zwar schon heute und nicht erst nach der 2007 geplanten Eröffnung.

Vor allem Politiker in Berlin müssen nun aufhören, weiter von einem Offenhalten von Tegel oder Tempelhof zu schwadronieren.Der Beschluß, beide Anlagen zu schließen, ist ein wesentlicher Bestandteil für einen zum großen Teil privat finanzierten Ausbau in Schönefeld.Wird dieses Konzept zerredet, muß die öffentliche Hand dafür zahlen.Daran führt kein Flug vorbei.

Zur Akzeptanz von Schönefeld, das heute schon weitaus besser ist als sein Ruf im Westteil der Stadt, gehört aber auch die Verkehrsanbindung.Der private Betreiber wird sich vertraglich zusichern lassen, daß die Straßen- und Schienenwege bis zur Eröffnung so ausgebaut sind, daß der Flughafen schnell und weitgehend staufrei zu erreichen sein wird.Dies wird der Staat trotz leerer Kassen akzeptieren müssen.Zum Nulltarif wird er den neuen Flughafen nicht erhalten.

Die entscheidende Verhandlungsrunde beginnt ohnehin erst jetzt.Beim "Kleingedruckten" im Vertrag wird es sich zeigen, ob das Konzept für beide Seiten aufgeht.Der private Betreiber will an dem Gesamtprojekt verdienen, die öffentliche Hand will so wenig wie möglich zahlen.So wird in den nächsten Tagen auch weiter um den Kaufpreis für die Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF) gefeilscht werden.Auch die Höhe der Flughafengebühren, die die Passagiere in Zukunft auf allen drei Flughäfen im Berliner Raum entrichten müssen, dürfte noch nicht endgültig feststehen.Es sollen doch weniger als die in der Ausschreibungsvorgabe eingeräumten 18 Mark pro Flug werden.

Voll bei der öffentlichen Hand bleibt ohnehin das planerische Risiko.Scheitert das Projekt am Ende doch, weil Kläger mit dem gewiß kommenden Einspruch vor Gericht Erfolg haben, müssen die bisherigen Gesellschafter dafür geradestehen.Auch das könnte teuer werden.Bisher ist nur der Start gelungen, nun muß der richtige Kurs eingeschlagen werden.

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