Zeitung Heute : Starten mit zwei Sprachen

Die Metropolitan School, die erste bilinguale Privatschule in Mitte, zieht in das Haus der ehemaligen Mosaikschule. Schon die Vorschüler werden auf Deutsch und auf Englisch unterrichtet

Katja Gartz

Noch spielen Kinder der Deutsch-Portugiesischen Europagrundschule auf dem Schulhof zwischen Tor- und Linienstraße, weil ihr Schulgebäude saniert wird. Nach den Sommerferien ziehen sie in ihre Schule zurück. In dem Gebäude der ehemaligen Mosaikschule nimmt dann die Metropolitan School ihren Betrieb auf. Doch bis 70 Vorschulkinder, zwei erste Klassen und eine zweite Klasse, unterrichtet werden, bleibt an dem neuen Standort noch viel zu tun. Das 1988 erbaute Schulgebäude ist sanierungsbedürftig: Die Tapete rollt sich von den Wänden und gibt in einigen Räumen den Schimmel frei, die Bodenbeläge haben Risse, in der Sporthalle besteht deshalb Stolpergefahr, eine Toilette ist wegen gebrochener Leitung gesperrt.

„Wir müssen neu Streichen, Wasserleitungen und Bodenbeläge erneuern“, sagt Yvonne Wende vom Schulträger Initiative für Bildungs- und Begabtenförderung Berlin Mitte. Einige Eltern werden in den Ferien mit anpacken. Da der Trägerverein auch noch die Schulausstattung finanzieren muss, ist das Geld für die Renovierung knapp. „Wir haben viel Unterstützung, aber es fehlen noch Tische und Stühle für die Erstklässler und fachkundige Handwerker, die beim Renovieren mithelfen“, berichtet Wende von der Elterninitiative. Regale und Schränke seien bereits gespendet worden. Ursprünglich wollte die bilinguale Privatschule drei erste Klassen eröffnen. „Wir möchten keine falschen Zusagen machen, weil jetzt hohe Kosten auf uns zukommen“, sagt Wende. Bei gesicherter Finanzierung könne es auch eine vierte erste Klasse geben.

Der Bezirk Mitte räumt der Metropolitan School für voraussichtlich zehn Jahre das Nutzungsrecht an dem Schulhaus ein. Von dem geräumigen Gebäude mit sechs Etagen, 29 Klassenzimmern, Aula und Sporthalle will die Privatschule zunächst nur knapp die Hälfte nutzen. Da das Schulhaus Teil des Bezirksvermögens ist, wolle sich dieser an den Renovierungskosten beteiligen. „Nur wenn ein Gebäude in Stand gesetzt wird, kann es auch vermietet werden“, sagt Bezirksschulfachbereichsleiter Jürgen Willuhn.

Der Vertrag zwischen dem Bezirk Mitte und dem Trägerverein der Metropolitan School befindet sich in der letzten Verhandlungsphase. „In welcher Form sich der Bezirk an den Sanierungskosten beteiligt, ist noch nicht entschieden“, sagt Dirk Lamprecht (CDU), Bezirksstadtrat für Wirtschaft und Finanzen. Der Sanierungsbedarf für das gesamte Schulgebäude liege bei etwa vier Millionen Euro.

Auch wenn die Eltern lieber in das Gebäude am Koppenplatz gezogen wären, sind sie froh, endlich geeignete Räumlichkeiten zu haben. Denn die Nachfrage nach der bilingualen Schule ist groß: Vor einem Jahr begann sie mit 18 Kindern, im kommenden Schuljahr werden es 130 aus zwölf Nationen sein. Um die Schüler kümmern sich 14 Lehrer, acht davon sind Vorschullehrer und englische Muttersprachler aus Großbritannien, Irland und Australien sowie ein Erzieher, eine Studentin und externe Fachkräfte. Die Schulleitung übernehmen zwei Direktorinnen, Beate Nedel, frühere Leiterin der Internationalen Schule in Boston, und die amerikanische Schulleiterin Cornelia Donner.

Jeden Morgen beginnt Rose Hornton mit einem englischen „Morning Circle“. In der Vorschule lernen Schüler ab vier Jahren kindgerecht und spielerisch Englisch, Rechnen und Lesen. Der Unterricht findet auf Deutsch und Englisch statt. „Kinder werden in ihren Fähigkeiten häufig unterschätzt“, sagt Lehrer Geene Pyanoe, der an der Universität Potsdam Englischlehrer mit ausgebildet hat. Erzieher Fabian Kaprolat findet es faszinierend, mit anzusehen wie schnell Kinder eine Fremdsprache lernen. Konzept der Schule ist es, neben den sprachlichen Fähigkeiten auch die Talente und das Selbstbewusstsein der Schüler im Unterricht und in Nachmittagskursen zu fördern. „Nur wenn sie wissen, was sie gut können, haben sie später einen guten Start in die Berufswelt“, sagt Gründerin Yvonne Wende. Ausprobieren können sich die Kinder nachmittags in Theater-, Tanz-, Musik-, Karate-, Yoga-, Schwimm- und Fussballgruppen. Externe Künstler sollen eingeladen werden, um gemeinsam mit den Kindern zu arbeiten. Außerdem will die Schule die Galerien und Museen des Bezirks nutzen und in den Unterricht mit einbeziehen. Jeden Sonnabend bietet sie für Schüler anderer Schulen einen Englischkurs an, Chinesisch ist ab September geplant. Gesunde Ernährung gehört ebenfalls zum Programm. Im neuen Haus ist eine Cafeteria mit Obsttheke geplant, es soll an drei Stellen kostenloses Trinkwasser und in der Kinderküche Kochkurse für Schüler geben.

Laut Bezirksschulfachbereichsleiter Willuhn trägt die Privatschule zum positiven Wettbewerb der Bildungsangebote bei. „Vielfalt ist unser oberstes Ziel, aber alle Schüler hätten auch an öffentlichen Schulen einen Platz bekommen“, sagt er. Betreut werden die Schüler von 7.30 Uhr bis 18 Uhr. Schulgeld und Begabtenförderung kosten monatlich 250 Euro, dazu kommen einkommensabhängige Hortbeiträge mit Mittagessen von mindestens 43 Euro. Eine Ferienbetreuung von 8 bis 16.30 Uhr gibt es in den ersten beiden Wochen noch am alten Standort in der Schönhauser Allee und ab dem 1. August im neuen Haus in der Linienstraße. Dessen Eröffnung findet am 8. August statt.

The Berlin Metropolitan School, Telefon 030/44 01 76 18, im Internet unter: www.berlinmetropolitanschool.de

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