Zeitung Heute : Stasi-Debatte: Nix her! Nix weg!

Ralf Hübner

"Oliver Nix zurück auf den Bildschirm!!!", fordert Nicole im Internet, doch ihr Oli ist weg. Jener Oliver Nix war im MDR-Fernsehens so etwas wie ein Zuschauerliebling, wie sich spätestens jetzt herausstellt. Doch seit sich der 35-jährige Moderator Oliver Nix in der vergangenen Woche als Stasi-IM geoutet hat, bleibt für ihn der Bildschirm schwarz. Susann E. Knoll, die MDR-Sprecherin, kann den Protest der MDR-Zuschauer in Längeneinheiten messen. Der Stapel an Zuschriften zum Fall Oliver Nix soll zwischenzeitlich die Höhe von rund 40 Zentimeter erreicht haben. Etwa 98 Prozent der Zuschauerreaktionen seien für Nix, sagt Knoll, auf alle Fälle deutlich über 90 Prozent. Das sei schon bemerkenswert.

Bemerkenswert ist auch, mit welcher Aufmerksamkeit in der Leipziger MDR-Intendanz die Reaktionen im Fall Nix verfolgt werden. Fast entsteht der Eindruck, als sei nun der liebe Junge von der Stasi gefunden worden, mit dem sich die ganze Stasi-Debatte, die den Sender seit einigen Wochen heimsucht, viel leichter bestreiten lässt.

Das Thema spaltet die Bevölkerung im MDR-Sendegebiet, so scheint es, in zwei Lager. Die Palette reicht von "Oliver muss bleiben!!!" bis zu "Oliver Nix raus!!!". Da wird sich empört, auch zwölf Jahre nach der Wende hätten IMs nichts in einem öffentlich-rechtlichen Sender zu suchen, andere fordern das Ende der Stasi-Debatte. Für den sächsischen Datenschutzbeauftragten Thomas Giesen ist die Stasi-Diskussion des MDR in der Öffentlichkeit ein Gräuel. Es laufe dabei auf einzelne Leute hinaus, sagt Giesen, auf Namen. Das habe Prangerwirkung.

Unterdessen ist beim MDR die neuerliche Überprüfung der 2000 festangestellten Mitarbeiter und weiterer rund 2000 fest-freien Mitarbeiter auf Stasi-Verstrickung angelaufen. Fragebögen werden verteilt. Intendant Udo Reiter hat seinen schon Mitte vergangener Woche ausgefüllt. Ende März soll sich der Personalausschuss konstituieren. Datenschützer Giesen hat in einer Unterrichtung seines Dienstherren, des Landtagspräsidenten, auch in diesem Falle Bedenken angemeldet, für den Überprüfungsausschüsse wie die Personalkommission schlichtweg ungesetzlich sind. Nur die Bediensteten der Personalabteilung dürften Zugang zu Auskünften der Gauck-Behörde als Bestandteil der Pesonalakte haben, sagt Giesen. Die einstigen Personalkommissionen zu Beginn der 90er Jahre seien Ausdruck der damaligen "noch nicht rechtsstaatlich durchgeordneten Situation" gewesen.

Als besonders problematisch erscheint Giesen vor allem die Überprüfung der freien Mitarbeiter. Der MDR unterliegt nicht der direkten Kontrolle durch Giesen. Dessen Meinung wird in der Senderspitze mit Kopfschütteln quittiert. Der Rundfunkrat könne vom Intendanten Einblicke in alle Programmfragen verlangen, einschließlich Personal. Udo Reiter jedenfalls will sich auch diesmal auf die Empfehlungen seiner Personalkommission verlassen. Dort soll dann auch der Fall Oliver Nix entschieden werden. Davon ist abhängig, ob die MDR-Zuschauer ihren Liebling wieder auf dem Bildschirm sehen werden.

Heute abend um 22 Uhr 05 läuft im MDR-Fernsehen die Diskussion "Der lange Schatten der Stasi".

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