Zeitung Heute : Station für Autofahrer

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Welch ein Sprung: Der frühere S-Bahnhof Papestraße, eine verwinkelte, unübersichtliche und unattraktive Anlage, hat sich zu einem modernen Bahnhof Südkreuz gemausert, der zum zweitwichtigsten in der Stadt nach dem Hauptbahnhof werden soll. Rund 115 Millionen Euro hat die Metamorphose der Station gekostet, die allerdings noch nicht vollendet ist. Die Pläne stammen vom Architekturbüro J.S.K. Der Bau der Etagen für die vorgesehenen zwei Parkhäuser ist verschoben worden. Erst wenn sich ein Finanzier dafür findet, gibt es auch die geplanten 2671 Stellflächen für die Autos.

Als Bahnhof für Autofahrer wurde die Anlage konzipiert, weil sie unmittelbar an der Stadtautobahn liegt und so auf der Straße bequem zu erreichen ist. Die Parkhäuser liegen über den Gleisen. Zunächst hat die Bahn aber nur die Stahlbetonplatten gebaut, die später die weiteren Etagen der Parkhäuser tragen sollen. Die Decke fungiert auch als Bahnsteigdach.

Gut angeschlossen ist der Bahnhof an den öffentlichen Nahverkehr. Im Südkreuz halten die S-Bahn-Linien auf der Ringbahn: S 41 (Vollring im Uhrzeigersinn), S 42 (Vollring im Gegenuhrzeigersinn) sowie S 46 (Königs Wusterhausen – Westend und S 47 (Spindlersfeld – Südkreuz). Eine Etage darunter stoppen die S-Bahnen der Nord-Süd-Strecke: S 2 (Blankenfelde – Bernau) und S 25 (Teltow Stadt – Hennigsdorf). An den neuen Gleisen für den Fern- und Regionalverkehr halten die Züge der Regional-Express-Linien RE 3 (Stralsund/Schwedt– Elsterwerda/Senftenberg), RE 4 (Wismar–Ludwigsfelde/Luckenwalde) und RE 5 (Rostock/Stralsund – Falkenberg/Lutherstadt Wittenberg. Im Fernverkehr ist das Südkreuz mit den ICE- und IC-Zügen aus Hamburg, München/Leipzig, Dresden/Prag sowie Stralsund – Erfurt zu erreichen. Im Dezember kommen nach den derzeitigen Plänen der Bahn wahrscheinlich auch die ICE-Züge aus Basel/Stuttgart über Frankfurt am Main hinzu. Diese Züge würden im Südkreuz starten und enden. In Zukunft soll hier auch der Airport-Express halten, der den Hauptbahnhof mit dem neuen Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld verbinden wird.

Die BVG fährt mit fünf Buslinien zum Südkreuz: Der M 46 (Bahnhof Zoo – Britz-Süd), der106 (U Seestraße – Dominicusstraße/Hauptstraße), der 184 (Südkreuz – U Krumme Lanke), der 204 (Bahnhof Zoo – Lindenhof) und der 248 (U Breitenbachplatz – Alexanderplatz).

Drei Bahnsteige für den Fern- und Nahverkehr gibt es am Südkreuz. Hinzu kommen die beiden Bahnsteige der S-Bahn an der Nord-Süd-Strecke und auf der Ringbahn. Während die Wege zu den Bahnsteigen in den meisten Bahnhöfen durch Tunnel unter den Gleisen verlaufen, führt der Weg im Südkreuz oberirdisch durch die neue Ringbahnhalle zu den Bahnsteigen des Fern- und Regionalverkehrs. Die Halle ist deshalb besonders groß geworden. Sie ist 47 Meter breit, davon entfallen allein auf den Bahnsteig 37,5 Meter. Mehr als 3900 Scheiben bringen Tageslicht in die Halle. Der Ringbahnsteig stellt auch die Verbindung für Fußgänger zwischen Schöneberg und Tempelhof her; einen Tunnel unter dem Bahndamm gibt es nicht. Nur vorübergehend gab es Irritationen, weil es Behauptungen gab, das Passieren der Halle sei nur nach dem Kauf eines Fahrscheins möglich. Bahnsteige dürfen aber inzwischen auch betreten werden, ohne dass man vorher einen Fahrschein kaufen muss. Diese Regelung gilt für jeden Bahnhof. Zunächst nimmt die Bahn von den drei neuen Fernbahnsteigen nur zwei in Betrieb. Der dritte kommt spätestens, wenn die Dresdner Bahn fertig ist, über die es dann auch zum Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) geht. kt

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