Zeitung Heute : Stationen einer durchzechten Nacht

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Es ist Freitagabend, 20 Uhr, die Party steigt. Roland trinkt das erste Bier. Der halbe Liter enthält etwa 19 Gramm Alkohol. Über die Schleimhäute von Magen und Darm dringt er ins Blut ein, durchströmt schnell den ganzen Körper, gelangt ins Gehirn und stimuliert die Nervenzellen: Große Mengen des Botenstoffs Dopamin werden ausgeschüttet: Die Stimmung steigt.

Roland hat jetzt schon etwa 0,3 Promille Alkohol im Blut. Er schäkert mit einem Mädchen, das auch schon das erste Bier geleert hat. Sie hat vermutlich schon 0,5 Promille intus – dürfte also nicht mehr Auto fahren. Die Alkoholkonzentration im Blut kann in etwa berechnet werden: Getrunkener Alkohol in Gramm durch Körpergewicht in Kilo mal 0,7 bei Männern oder 0,6 bei Frauen. Nicht nur Gewicht, sondern auch höherer Fettgehalt und andere Wasserverteilung im Körper sorgen bei Rolands weiblicher Bekanntschaft für die schnellere Wirkung. Macht aber nichts: Schon ab 0,2 Promille im Blut geht es beiden richtig gut.

Allmählich, mit dem dritten, vierten Bier steigt der Alkohol auf über ein Promille an. Jetzt wird Roland richtig albern. Er hat vorher wenig gegessen, der Alkohol hatte es leicht, über den leeren Magen einzudringen und steigt schnell zu Kopf. Roland torkelt schon ein wenig. Doch seine Leber arbeitet dagegen an. Pro Kilo Körpergewicht werden stündlich etwa 0,1 Gramm Alkohol abgebaut. Als Roland um 22 Uhr zu einem Imbiss geht, ist schon ein Bier abgebaut. Nach dem Essen kann er wieder klar reden.

Doch es geht weiter, von Bier zu Bier. Beim letzten um fünf Uhr morgens sind zwar nach neun Stunden Sauftour fast fünf der mehr als zehn Biere abgebaut. Dennoch hat Roland jetzt zwei Promille deutlich überschritten. Bei über drei Promille hätte es eine Alkoholvergiftung werden können. So aber findet Roland noch irgendwie nach Hause – auch wenn er sich am nächsten Morgen nicht mehr an alles erinnern kann. Tatsächlich vermuten Forscher, dass jeder einzelne Rausch eine große Zahl von Nervenzellen im Gehirn zerstört. Über das Ausmaß gibt es jedoch bislang wenige gesicherte Erkenntnisse. Versuche mit jungen Ratten weisen aber darauf hin, dass die Schädigungen bei einem unausgereiften Organismus besonders groß sind. Ob solche Schäden im Gehirn sich wieder rückgängig machen lassen, ist noch nicht geklärt.

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