Zeitung Heute : Steinbrück laufen die Wähler davon

Politbarometer: Nur 25 Prozent wollen den SPD-Spitzenkandidaten als nächsten Regierungschef sehen.

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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat nach der Debatte um das Gehalt des deutschen Regierungschefs dramatisch an Zuspruch verloren. Nur jeder vierte Wähler (25 Prozent) wünscht sich den Sozialdemokraten noch als Regierungschef, wie aus dem von der Forschungsgruppe Wahlen für Tagesspiegel und ZDF erhobenen Politbarometer hervorgeht. Im November hatten sich noch 38 Prozent für ihn ausgesprochen. Auch in den eigenen Reihen schwindet der Rückhalt. Nur noch 63 Prozent der SPD-Anhänger (minus 14 Prozentpunkte) wollen lieber von ihm als der amtierenden Kanzlerin regiert werden.

Auch die Werte der SPD gaben nach. In der Sonntagsfrage verliert Steinbrücks Partei zwei Prozentpunkte und kommt nun auf 28 Prozent. Die Union gewinnt in gleicher Höhe und steht nun bei 42 Prozent. Trotz der schlechten Daten gab sich Steinbrück gelassen. „Wir sind noch nicht im heißen Wahlkampfmodus“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Umfragen seien keine Wahlergebnisse. Es sei ein Auf und Ab. Die Wähler erreiche man vor allem durch Themen, sagte der Kandidat „Das habe ich jetzt gerade bei der Mietpreisbremse gemerkt.“ Die SPD verspricht, Mietsteigerungen zu begrenzen.

Auch Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sprach mit Blick auf die Umfragen von einer Momentaufnahme und verwies auf die Zeit bis zur Bundestagswahl im September. „Was jetzt hinter uns liegt, das kann man nicht rückblickend korrigieren, wir müssen jetzt den Blick nach vorne richten“, meinte er. Die Aufgabe sei nun, „nach vorne hin die Präsentation der SPD deutlich zu verbessern“.

Aus der eigenen Partei wurde keine Kritik an Steinbrück geäußert. In der SPD- Fraktion erklärte der Kandidat, er wolle bei Interviews in Zukunft vorsichtiger agieren. Steinbrück und Steinmeier verwiesen auf den Umfragevorsprung von SPD und Grünen in Niedersachsen, wo in neun Tagen gewählt wird. „Die Chance ist dort zum Greifen nahe“, sagte der Kandidat. Von einem Sieg erhofft sich die SPD eine Trendwende für den Bund. Allerdings wird in der Partei für den Fall einer Niederlage eine heftige Debatte über den Kanzlerkandidaten erwartet.

Trotz des Umfrage-Absturzes lassen die Grünen keine Zweifel am Ziel von Rot-Grün aufkommen. Die Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin sagten zum Abschluss ihrer Fraktionsklausur in Weimar voraus, Union und FDP würden in Niedersachsen und im Herbst im Bund die Mehrheit verfehlen. Auf die Frage, ob Steinbrück als Kanzlerkandidat ersetzt werden solle, sagte Künast: „Mir fällt spontan keiner ein, der mir lieber wäre.“

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