Zeitung Heute : Steter Tropfen formt den Stein

Die Fränkische Schweiz rühmt sich, die Region mit den weltweit meisten Höhlen zu sein. Früher lebten sogar Bären darin. Ein Besuch in Pottenstein

Elke Richter
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Schöne bunte Unterwelt. Stalagmiten und Stalaktiten in der Teufelshöhle. Foto: dpatmn

Es sieht aus, als klammere sich direkt neben dem Abgrund ein knorriger Baumstamm mit herabhängenden Wurzeln am Boden fest. Der „Stamm“ ist jedoch nicht aus Holz – vielmehr ist es ein Tropfstein. Seit 340 000 Jahren steht der Stalagmit in der Teufelshöhle im fränkischen Pottenstein. Etwa dreieinhalb Meter ist er in dieser Zeit gewachsen. Selbst aus dem Ausland kommen Jahr für Jahr Besucher in die Teufelshöhle, um die ungewöhnlichen Tropfsteinformen zu bestaunen.

„Das Höhlensystem ist wohl das größte in Deutschland, und es ist noch längst nicht alles erschlossen“, erläutert der Leiter des örtlichen Tourismusbüros, Thomas Bernard. Die jährlich etwa 160 000 Gäste müssen nicht wie die Höhlenforscher auf dem Bauch durch den Matsch robben oder sich durch enge Durchgänge zwängen. Sie spazieren auf komfortabel ausgebauten Treppen und mannshohen Bergwerkgängen durch die Höhle, die nur eine von mehr als 1000 in der Fränkischen Schweiz ist. Die Region im nördlichen Bayern rühmt sich, die Gegend mit den weltweit meisten Höhlen zu sein.

Vor 150 Millionen Jahren war das Mittelgebirge noch von einem tropisch warmen Schelfmeer bedeckt. „Das war ein Binnenmeer, nicht besonders tief, eher so seicht wie das Mittelmeer“, erklärt Bernard.

Schwämme und Mikroorganismen besiedelten den Meeresboden und bildeten ausgedehnte Riffzüge. Später hob sich die Gegend, aus dem Meeresboden wurde Festland. Und aus den ehemaligen Schwammrasenflächen wurde der Kalk- und Dolomitfels, der Kletterer aus ganz Europa anzieht.

Kohlensäurehaltiges Grundwasser laugte Risse und Spalten aus und ließ die Höhle entstehen. Sie entwickelt sich bis heute weiter: „Wenn Regenwasser auf Kalkgestein trifft, löst sich der Kalk aus, und aus der Kalklösung entstehen Klüfte und Hohlräume“, sagt Bernard.

Tropfendes Sickerwasser lässt die Tropfsteine entstehen. Sie brauchen in der Teufelshöhle durchschnittlich 13 Jahre, um einen Millimeter zu wachsen. Entsprechend beeindruckend ist der Tropfsteinschmuck, den es in der Teufelshöhle in Hülle und Fülle zu sehen gibt.

Die Reise in den Bauch des Berges beginnt bei dem 14 mal 25 Meter großen Teufelsloch, das die Einheimischen schon seit langem „Tor zur Unterwelt“ nennen. 1922 grub der Höhlenexperte Hans Brand nach einer Fortsetzung und fand ein drei Kilometer langes Höhlensystem. Ein Jahr später wanderten die ersten Touristen durch den etwa 1700 Meter langen Schauhöhlenteil. Sie können zum Beispiel im „Barbarossasaal“, einem der drei großen Hohlräume, die zahlreichen Kegel bewundern, die aus dem Boden ragen. Oder die zerbrechlichen Sinterröhrchen, die wie Eiszapfen von der Decke wachsen.

Doch die Besucher treffen nicht nur auf Fels und Tropfsteine, sondern auch auf Höhlenbären: „Die etwa 400 Kilogramm schweren Bären haben vor mehr als 30 000 Jahren in dieser Höhle gelebt“, erzählt Höhlenführer Herbert Hofmann. Inzwischen ist ein in aufwendiger Arbeit aus vielen Einzelteilen zusammengesetztes Skelett eines solchen Tieres zu sehen.

Wer nach der Führung noch mehr von der Fränkischen Schweiz entdecken möchte, findet auf der „Pottensteiner Erlebnismeile“ zahlreiche Angebote. Urlauber können im nahe gelegenen Felsengarten Klumpertal wandern, auf dem Schöngrundsee Tretboot fahren, auf der Sommerrodelbahn in einen Geschwindigkeitsrausch fallen oder in der 1000 Jahre alten Pottensteiner Burg in vergangene Zeiten abtauchen.

— Ganzjährig geöffnet. Regelmäßige Führungen bis 30. März dienstags, sonnabends und sonntags zwischen 10 und 15 Uhr. In der Sommersaison täglich zwischen 9 und 17 Uhr.

 Auskunft: Tourismusbüro Pottenstein,

Telefon: 092 43 / 708 41

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