Zeitung Heute : Stets zu Diensten

Mit dem Master of Public Administration kommen höhere Verwaltungsaufgaben in Reichweite

Henning Zander

Die neuen Masterstudierenden können schon einmal die Ärmel hochkrempeln: Sie erwartet zwei Jahre Dauerstress. Viele von ihnen stehen mitten im Berufsleben und werden erst spät am Abend oder am Wochenende dazu kommen, die Materialien des neuen Fernstudienganges Master of Public Administration der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin (FHVR) durchzuarbeiten. Der Studiengang startet dieses Sommersemester und bietet den Hochschulabsolventen die Möglichkeit, die bereits erworbenen praktischen und theoretischen Kenntnisse und Fertigkeiten zu erweitern und zu vertiefen. Der Lohn für die Mühe: Masterabsolventen winken Führungsaufgaben in der öffentlichen Verwaltung.

Dass viele Studierende zwischendurch abspringen könnten, wird an der FHVR nicht erwartet. Erste Erfahrungen sammelte die Hochschule bereits im Studiengang Europäisches Verwaltungsmanagement. Es ist für Studierende nicht einfach, Beruf und Studium unter einen Hut zu bringen – doch die Abbrecherquote ist niedrig“, sagt Studiengangskoordinatorin Sylvia Stamm. Lediglich fünf von 40 Studenten des vergangenen Jahrganges entschlossen sich ihr Studium abzubrechen. Notfalls geht die Fachhochschule auf die beruflichen Zwänge der Studierenden ein – und gewährt schon mal eine Terminverlängerung bei den Einsendeaufgaben.

Der neue Masterstudiengang richtet sich in erster Linie an Mitarbeiter im gehobenen Dienst der öffentlichen Verwaltung, die den Aufstieg in den höheren Dienst planen. Hierfür reicht ein Bachelor allein nicht aus. Im Masterstudium sollen vor allem Managementtechniken und -werkzeuge den Studierenden näher gebracht werden, sagt Studiengangsleiter und Hochschullehrer Christian Pracher. Es geht darum, Methoden der Betriebswirtschaft auf die entsprechenden Anwendungsgebiete der öffentlichen Verwaltung zu übertragen.

„New Public Management nennt sich dieser Ansatz. SWOT-Analysen, also die objektive Bewertung von Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken gehören hier genauso dazu wie Portfolio-Strategien. „Das bedeutet: Welche Tätigkeiten müssen bei der öffentlichen Hand verbleiben und welche können ausgelagert werden?“, erläutert Pracher. Die Anforderungen an Führungskräfte sind gestiegen und verlangen nach einem interdisziplinären Arbeiten, in dem Wissen über Haushalts- und Finanzpolitik genauso gefragt ist, wie in politischer Ökonomie, Integrationspolitik oder Wissensmanagement.

Ähnlich breit ist auch das Studium aufgestellt. Absolventen sind nicht auf einen bestimmten Bereich der Verwaltung beschränkt. „Egal ob in der Verwaltung im Tierpark oder auf dem Sozialamt: Sie bekommen das Handwerkszeug, um überall arbeiten zu können“, sagt Pracher. Über das Studium werde den Absolventen die Möglichkeit eröffnet, in der Hierarchie ihres Amtes oder ihrer Behörde weiter nach oben zu steigen. Die Verzahnung der theoretischen Inhalte mit der Praxis ist geplant. Hierzu sind Gastdozenten aus der Berliner Verwaltung einbezogen. Mithilfe von Fallbeispielen, Praxisstudien und Rollenspielen werden Problemfelder im Berufsleben aus wissenschaftlicher Sicht den Studierenden näher gebracht.

Als Ziel definiert Pracher unter anderem, seinen Studierenden Management- Kompetenzen zu vermitteln. Wie gehe ich mit Konflikten um? Wie führe ich Mitarbeiter? Es sei eine Herausforderung, diese Fragen vorwiegend über Studienbriefe zu beantworten, gibt Pracher zu. Viermal im Semester finden deshalb über das Wochenende Präsenzveranstaltungen statt, bei denen die Studierenden in Rollenspielen verschiedene Situationen in ihren Betrieben nachstellen können. Anschließend diskutieren sie, welches Verhalten für die nachgestellte Situation das beste ist. Ein weiterer Vorteil der Wochenendseminare ist: Dort werden Kontakte geknüpft, Netzwerke aufgebaut.

In Zukunft soll das jedoch auch über das Internet funktionieren. Auf der Webseite der FHVR steht den Studierenden eine Plattform zur Verfügung, auf der sie zum einen wichtige Informationen über ihre Fächer erhalten. Zum anderen können sie sich hier auch zu Gruppen zusammenfinden und an bestimmten Themen gemeinsam arbeiten. Auch Professoren treten mit ihren Studierenden über solche Plattformen in Kontakt, verteilen Aufgaben und diskutieren Ergebnisse. Die Studierenden können wählen, ob sie die Lerneinheiten im Internet abrufen oder das Material ausgedruckt per Post erhalten wollen.

Die Regelstudienzeit für das Fernstudium beträgt vier Semester. Die Gebühr für das viersemestrige Aufbaustudium liegt bei 3480 Euro. Gerne werden Absolventen der öffentlichen Verwaltungswirtschaft, Verwaltungs-, Politik- oder Rechtswissenschaften aufgenommen. Bewerben können sich übrigens nicht nur Bachelor-, sondern alle Hochschulabsolventen. Henning Zander

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