Zeitung Heute : Steuererklärung am PC: Elektronische Berater für den Hausgebrauch

Holger Schlösser

Unaufhaltsam rückt sie näher - die vertraute Marter Steuererklärung. Jahr für Jahr stellen sich die gleichen unangenehmen Fragen: Wo ist der Schuhkarton mit den alten Rechnungen? Wer hat die Lohnsteuerkarte verschlampt? Was bedeuten eigentlich die Kürzel KSO und GSE? Vor einem Haufen trister, graugrüner Formularblätter sitzend, hangelt man sich mühsam durchs kleingedruckte Bürokratendeutsch. Doch die Plage lohnt sich. Über eine Milliarde Mark, so rechnet der Bund der Steuerzahler, schenken die Bundesbürger jährlich dem Fiskus, einfach weil sie keine Steuererklärung abgeben.

Doch die Bürokratie macht einem die Sache nicht gerade leicht. "Was die Steuerformulare anbelangt, so ist es um Bürgerfreundlichkeit nicht gut bestellt", sagt Hans-Joachim Vanscheidt, Experte vom Bund der Steuerzahler und Mitautor des Ratgebers "Einkommenssteuer 2001" (Falken). Die amtlichen Vordrucke seien noch immer mit gravierenden Mängeln behaftet und für viele Steuerzahler "ein Buch mit sieben Siegeln".

Glücklich kann sich schätzen, wer einen PC hat. Mit entsprechender Software ausgerüstet, müssen die amtlichen Vordrucke wenigstens nicht mehr von Hand ausgefüllt werden. Die elektronischen Steuerberater leisten ordentliche Arbeit, meint auch Vanscheidt. "Grundsätzlich sind die gängigen Programme inzwischen so gut, dass sie bei der Anfertigung der Steuererklärung eine große Hilfe sind". Vor allem böten sie die Möglichkeit, die Höhe der Erstattung oder Nachzahlung von Steuern selbst nachzurechnen.

Zu den wichtigen Programmen zählen Buhl Datas Wiso Sparbuch und Tax 2001, QuickSteuer und Taxman Lexware sowie die Steuerspar-Erklärung von der Akademischen Arbeitsgemeinschaft. Alle Programme kosten zwischen 30 und 80 Mark - Geld, das sich problemlos von der Steuer absetzen lässt.

In der Praxis stellt sich heraus, dass die Probleme weniger in der Berechnung der Fälle, als im nötigen Steuer-Know-how des Anwenders liegen. Schließlich muss man alle relevanten Sachverhalte für den eigenen Steuerfall kennen, nur so kann die Steuererklärung optimal ausgefüllt werden. Viele der getesteten Programme bieten als Hilfestellung umfangreiche Datenbanken mit Gesetzen und Urteilen. Zudem sollen Videos und Kommentare die Eingabe der Daten vereinfachen. Bereits während der Eingabe kontrolliert ein Prüfassistent, ob die Zahlen sich mit vorherigen Einträgen decken.

Ob das für die optimale Steuererklärung ausreicht, ist fraglich. Ein weiteres Problem der Software ist die Hektik der Steuergesetzgebung. Zwar können die Programme übers Internet aktualisiert werden, dennoch dürfe man die Gefahr nicht unterschätzen, dass die Steuerplanung "nicht auf dem allerneuesten Stand ist", warnt Vanscheidt. Hier liegen die Stärken von traditionellen Steuerberatern. Vanscheidt: "Immer wenn ein Fall besonders schwierig ist oder wenn Unklarheiten bestehen, ist der Gang zum Steuerberater geboten."

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