Zeitung Heute : Still ruht der See

cht

Hindernisse für Pläne der Max-Liebermann-Gesellschaft Pünktlich zum 150.Geburtstag Max Liebermanns am 20.Juli sollte nach Plänen der Liebermann-Gesellschaft in dessen Sommerhaus am Großen Wannsee eine Galerie und Gedenkstätte für den deutschen Impressionisten und Ehrenbürger Berlins eingerichtet werden.Seit zwei Jahren bemüht sich die Gesellschaft gemeinsam mit der Akademie der Künste um ein Finanzierungs- und Nutzungskonzept für Liebermanns "Schloß am See", dessen Garten Motiv vieler Spätwerke des Malers war.Die Träume von einem Giverny oder Seebüll am Wannsee, zu dem die Touristen in den Sommermonaten in Scharen strömen, haben allerdings einen beträchtlichen Haken: Das 1909 von Paul Baumgarten erbaute Haus wird seit 1972 vom Deutschen Unterwasser-Club genutzt.Dessen Pachtvertrag hat das Bezirksamt Zehlendorf vor zwei Jahren um weitere zwanzig Jahre verlängert und damit dem Künstlermuseum ein vorläufiges Aus beschert. Dabei ist der Taucher-Club, verschreckt durch negative Presse und ungebetene Besucher auf dem Grundstück, grundsätzlich bereit, das Gelände zu räumen - vorausgesetzt, es findet sich ein passendes Tauschgrundstück.Hemmschuh bei der Verwirklichung sei vor allem die mangelnde Bereitschaft des Bezirksamts, dem "Projekt Liebermann" etwas mehr Bedeutung einzuräumen, wie Rolf Budde von der Liebermann-Gesellschaft am Montag nachmittag in der Akademie der Künste erbost berichtete.Trotz eifriger Bemühungen komme man nur millimeterweise voran.Als ersten Erfolg kann die Gesellschaft den Vorschlag eines Ersatzgrundstücks unweit der Liebermann-Villa samt erforderlichen Änderungen verbuchen, über den das Bezirksamt Anfang Juli entscheiden soll.Ein Tausch komme danach frühestens 1999 in Frage. Angesichts der Wirkungslosigkeit ihres zweijährigen Kampfes wirken die Aktionspläne der Gesellschaft verständlicherweise hilflos: Eine Unterschriftensammlung anläßlich der am 20.Juli eröffnenden Liebermann-Ausstellung in der Alten Nationalgalerie soll es geben, vermehrten Druck durch Presse und Öffentlichkeit und konkreteres Einwirken auf namhafte Politiker.Daneben ist es nach Meinung des Generalsekretärs der Akademie, Hans Gerhard Hannesen, höchste Zeit, die 1961 im Zuge des Mauerbaus beschlossene Sondernutzung des Wannseeufers durch Sportvereine neu zu überdenken.So bleibt zu hoffen, daß das Engagement der Liebermann-Liebhaber nicht länger am West-Berliner Partei-Filz scheitert.cht

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar