Zeitung Heute : Stimmen fischen im Internet

Franz Müntefering über die ersten Online-Schritte der SPDDer Wahlkampf im Internet hat gerade begonnen.Über erste Erfahrungen sprachen Stefan David Kaufer und Max Oppel mit dem Bundesgeschäftsführer der SPD, Franz Müntefering . TAGESSPIEGEL: Welche Bedeutung messen Sie dem Internet für den Bundestagswahlkampf bei? MÜNTEFERING: Das Internet hat bei der SPD schon seit Jahren einen hohen Stellenwert.Dieses Jahr erleben wir den ersten richtigen Wahlkampf im Netz.Und eine Partei, die mit dem Begriff "Innovation" in Verbindung gebracht wird, kann auf ein gutes Internet-Angebot nicht verzichten. TAGESSPIEGEL: Lohnt sich bei rund sieben Prozent Internet-Nutzern in Deutschland der Aufwand, den die SPD mit ihrer Website betreibt? MÜNTEFERING: Freut mich, wenn Sie unser Angebot aufwendig finden.Natürlich lohnt sich das.Wir gehen davon aus, daß bis zur Bundestagswahl gut zehn Prozent der Wahlberechtigten Zugang zum Netz haben werden.Die möchten wir für unsere Website interessieren.Außerdem sammeln wir schon Erfahrungen für spätere Wahlkämpfe.2002, 2006 - die Netzgemeinde wächst doch immer weiter. TAGESSPIEGEL: Was unterscheidet Ihre Seiten von denen Ihrer Konkurrenten? MÜNTEFERING: Für eine politische Partei ist das Internet eine Gratwanderung: Pochen wir ausschließlich auf Seriosität, oder zwinkern wir den Usern auch mal zu? Wir haben da einen guten Kompromiß gefunden.Unter den Parteien ist unser Angebot sicher das mit dem besten Design, dem größten Angebot und der meisten Interaktion. TAGESSPIEGEL: Die SPD-Website ist vom Wahlkampf dominiert.Welche Veränderungen soll es nach der Wahl geben? MÜNTEFERING: Ich muß widersprechen: Wir haben ganz bewußt eine zweigeteilte Site, und wer vom Wahlkampf zuviel hat, findet auf der "klassischen" Homepage viel über das Parteileben, ausführliche Inhalte, Diskussionsforen und Kontaktmöglichkeiten.Wir sind inzwischen so weit, unser Angebot ohne lange Vorlaufzeiten auf neue Füße stellen zu können.Es gibt deshalb noch keine Entscheidung über das Angebot nach der Bundestagswahl. TAGESSPIEGEL: Wie ist die Resonanz der Nutzer auf Ihre Seite? Reagieren Sie auf Anregungen? MÜNTEFERING: Wir hatten im April 2,3 Millionen "Hits" - das spricht für sich.Wir bekommen ganz überwiegend Lob, aber auch Anregungen von den Usern.Oft haben wir einfach eine andere Philosophie.Es kommt aber auch vor, daß wir auf Fehler hingewiesen werden oder strukturelle Änderungen vornehmen.Ein Beispiel: Der "Service"-Bereich mit unsereren Publikationen und Materialien wird jetzt weiter vorne präsentiert, weil es Beschwerden gab.Übrigens: Mitglied werden kann man nicht "online", wer eintreten will, muß das immer noch mit einer "echten" Unterschrift tun.

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