Zeitung Heute : Stimmung machen

Charles Landsmann[Tel Aviv]

Die israelische Polizei hat den palästinensischen Präsidentschaftskandidaten Mustafa Barghuti in Jerusalem festgenommen. Was führte dazu, dass Barghuti während des Wahlkampfs gleich mehrere Male vorübergehend verhaftet wurde?

Der Wahlkampf um das Amt des palästinensischen Autonomiepräsidenten ist mit einem Knalleffekt zu Ende gegangen. Der linke Menschenrechtler Mustafa Barghuti, neben dem wahrscheinlichen Wahlsieger Mahmud Abbas der einzige größere Bevölkerungskreise ansprechende Kandidat, wurde von der israelischen Polizei vorübergehend festgenommen. Barghuti versuchte trotz ausdrücklichen Verbots auf den Tempelberg zu gelangen, auf dem die den Muslimen heilige Al-Aksa-Moschee und der Felsendom (Omar-Moschee) stehen. Erwartungsgemäß wurde er von der Polizei abgefangen, verhört und Stunden später wieder freigelassen.

Barghuti wurde in diesem Wahlkampf nicht zum ersten Mal festgenommen: Das vergangene Mal liegt gerade zehn Tage zurück. Außerdem hatte er mehrere Konfrontationen mit der israelischen Armee im Westjordanland und an den Checkpoints rund um Jerusalem. Seinen Aussagen zufolge wurden er und seine engsten Mitarbeiter dabei stundenlang festgehalten, gedemütigt und verprügelt.

Warum tut er, was er tut? Vor allem dürfte es ihm darum gehen, die Stimmen der islamistischen Wähler für sich zu gewinnen. Diese gezielten Provokationen und die gesuchte Konfrontation mit der Besatzungsmacht sind wichtige Bestandteile von Barghutis Wahltaktik. Mit der Betonung des kompromisslosen Kampfes gegen Israel setzt er bewusst einen Kontrapunkt zu Mahmud Abbas. Der hatte die Palästinenser wiederholt dazu aufgefordert, die Gewalt im Rahmen der Intifada zu stoppen und den Beschuss israelischer Ziele aus dem Gazastreifen einzustellen.

Mit dieser Taktik hat Barghuti laut Meinungsumfragen zwar tatsächlich gepunktet. Doch vor allem auf Kosten absolut chancenloser anderer Kandidaten, so dass sein Rückstand auf Mahmud Abbas geblieben ist. Und wohl bleiben wird. Es sei denn, die radikalislamistische Hamas würde in buchstäblich letzter Minute ihren Wahlboykott aufheben und ihre Anhänger auffordern, dem Ex-Kommunisten Barghuti am Sonntag ihre Stimme zu geben. Dann wäre seine Rechnung aufgegangen.

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