Zeitung Heute : Stöver und Brockmüller alias Brauner und Krug machen Werbung für ihre CD und lösen nebenbei Fälle

Hans von Altona

Tatort (ARD). Langsam übertreiben sie es aber doch ein bisschen. Wo Brocki und Stöver stehen und gehen, trällern sie eines ihrer Liedchen, denen es an Saft mangelt, wie den beiden Herren an jugendlicher Frische. Sorry, aber so sieht es nun einmal aus. Gleich dreimal dürfen wir den Herren zuhören - das Polizeiorchester ruft, ein Ball steht vor der Tür, die beiden Kommissare sollen auftreten und müssen proben. Ist doch sicher Zufall, dass ausgerechnet in diesen Tagen eine CD der beiden singenden Polizisten herauskommt. Kann doch gar nicht anders sein. Wäre es anders, wäre der "Tatort" da angekommen, wo ihn niemand haben will: am Ende, wo alles nur noch Geschäft und Werbung ist. Aber die Indizien sprechen leider gegen die beiden Herren aus Hamburg. Die Ermittlungen wickeln die Kommissare so routiniert ab, als gingen sie ein Würstchen essen, was sie ja so gern tun. Auch die kleinen, bösen Scherze des Herrn Stöver wollen nicht so recht zünden. Das liegt daran, dass der Kriminalfall den beiden Troubaduren in Staatsdiensten nur noch als schmückendes Beiwerk dient. Es geht nicht um Mord, es geht um Gesang. Anders gesagt: Was einmal Kult war, ist auf dem besten Weg, sich das Wasser selbst und ganz und gar freiwillig abzugraben. Stöver und Brockmüller machen nun nicht nur für die Telekom, sondern auch für sich Reklame. Jetzt noch ein großes Interview in der Blöd-Zeitung, und die Sache wäre so rund wie eine Halbglatze.

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