Zeitung Heute : STRAFGESETZGEBUNG IN FRANKREICH: Keine Strafe für Gedopte

PARIS .Frankreichs Regierung will mit einem neuen Gesetz die Strafverfolgung von Doping verschärfen.Die bisherige Regelung aus dem Jahr 1989 verbietet zwar den Gebrauch von Doping-Mitteln, aber sie sieht keine Strafe für die Gedopten selbst vor.Wohl aber müssen diejenigen mit Konsequenzen rechnen, die Doping veranlassen, die Substanzen verabreichen oder den Gebrauch erleichtern.Die Höchststrafe beträgt zwei Jahre Gefängnis und bis zu 100 000 Franc (rund 30 000 Mark) Geldstrafe.Wenn die Substanzen unter das Betäubungsmittelgesetz fallen und eingesetzt werden, um bei Sportlern "die Leistungskraft künstlich zu erhöhen", sind sogar bis zu zehn Jahre Haft und eine halbe Million Franc Strafe möglich.

Wenn die französische Presse auch das langsame Tempo der Justiz kritisiert: Der Apparat der Strafverfolgung ist zunächst gegen die Teams Festina und TVM angelaufen.Die Ermittlungsrichter begnügten sich nicht mit Vernehmungen, sondern nahmen mehrere Personen fest, von denen einige gestern wieder entlassen wurden.Das Polizeigewahrsam (Garde à vue) in Frankreich darf zunächst 24 Stunden dauern und kann durch den Staatsanwalt um weitere 24 Stunden verlängert werden.Bei schweren Straftaten wie Terrorismus oder Drogendelikten - darunter fällt Doping - beträgt die längste Frist für das Polizeigewahrsam sogar 96 Stunden.

Anschließend muß der Untersuchungsrichter den Verdächtigen entweder sofort freilassen oder ein formales Ermittlungsverfahren einleiten und Untersuchungshaft verhängen.Dazu muß für die zur Last gelegte Tat die Strafe mindestens zwei Jahre betragen - bei Gefahr im Verzuge reicht ein Jahr.

Untersuchungshaft wurde im Doping-Skandal bei der Tour de France zunächst in drei Fällen ausgesprochen: beim Festina-Masseur Willy Voët, in dessen Teamwagen Dopingmittel sichergestellt wurden, beim Teamarzt Eric Ryckaert sowie beim suspendierten Sportdirektor Bruno Roussel, der den Einsatz von Dopingmitteln in der Festina-Mannschaft gestanden hat.

In diesem Zusammenhang hält der Schweizer Experte Matthias Kamber eine bessere Erforschung legaler Möglichkeiten zur Leistungssteigerung im Sport für den wichtigsten Weg im Kampf gegen das Doping.Der 44 Jahre alte Chemiker, Leiter des Fachbereichs Doping, Information und Prävention an der Eidgenössischen Sportschule Magglingen, erklärte im Zusammenhang mit der Doping-Affäre bei der Tour de France in einem Interview mit dem Schweizer Nachrichten-Magazin "Facts", daß nur ein völlig neuer Ansatz Lösungen bringen könnte.

"Wir müssen die Forschung in Sachen Trainingsaufbau, Regeneration, legale leistungssteigernde Mittel vorantreiben." Wenn bei Spitzen-Athleten langfristig Blut- und Urin-Untersuchungen gemacht sowie Hormonprofile erstellt würden, könne man Defizite, Übertrainings-Syndrome herauslesen und die Regeneration optimieren."Man würde die Mittel nicht mehr brauchen.Man hätte Alternativen, um zu denselben Resultaten zu kommen wie mit Doping."

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