Zeitung Heute : Straßenbau: Stabiler Asphalt ist sicherer

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Wie Trampelpfade auf Wiesen, so entstehen auf unseren Straßen durch die ständig darüber rollenden Autos Spurrillen. Zwar braucht das seine Zeit, denn ehe die Vertiefungen erkennbar werden, müssen schon einige Milliarden Fahrzeuge darüber rollen - Personenwagen allerdings. Denn schwere Lkw lassen solche Spurrillen sehr viel schneller entstehen, belastet doch ein 40-Tonner die Asphaltdecke ebenso stark wie 300 000 Personenwagen.

Und deshalb entstehen Spurrillen dort, wo dichter Lastwagen-Verkehr herrscht, vornehmlich auf den rechten Fahrstreifen. So lange es nicht regnet, sind diese Spurrillen für einen Personenwagen kein Problem. Doch richtig gefährlich kann es werden, wenn es regnet und die Spurrillen voll Wasser laufen. Denn als Fahrzeuglenker kann man die Täler im Asphalt nicht mehr erkennen.

Rutschen auf dem Wasserkeil

Wenn man zügig über solche Strecken fährt, dann droht ernste Gefahr durch Aquaplaning - durch jenen Effekt also, bei dem das Reifenprofil nicht mehr genügend Wasser ableiten kann, so dass sich vor dem Reifen ein Wasserkeil bildet, auf dem das Fahrzeug bei höheren Tempo - im Extrem bereits ab 80 Kilometer pro Stunde - regelrecht aufschwimmt. Damit besteht kein Kontakt mehr zwischen Reifen und Straße und das Auto kann nicht mehr gelenkt werden.

Angesichts solcher Gefahren suchen die Straßenbauer ständig nach neuen Wegen, das Entstehen von Spurrillen zu verhindern. Große Fortschritte dabei verspricht ein von dem Chemie-Unternehmen BASF entwickelter neuer Zusatzstoff zum Bitumen, jenem Grundstoff des Straßenbaus, der Gesteinsplitter und Sand zu Asphalt verbindet. Bitumen übrigens ist ein Rückstand aus Kraftstoff- und Ölproduktion in Raffinerien und macht rund sieben bis acht Prozent des Asphalts aus. Der wird auf Straßen aber nicht nur durch die darüber rollenden Fahrzeuge belastet. Bei sommerlichen Temperaturen heizen sich die Straßen auf und die Asphaltmischung wird weich. Damit graben die Räder der über ihn rollenden Fahrzeuge leichter als bei tieferen Temperaturen Spurrillen in die Fahrbahn. Und bei Kälte wird der Asphalt spröde, dann kann Wasser eindringen und bei Frost zu erheblichen Schäden in der Asphaltdecke führen.

Intelligente Chemie allerdings kann dazu beitragen, Asphalt sehr viel widerstandsfähiger zu machen. Das bestätigten jetzt Praxistests auf der Autobahn A 1 zwischen Trier und Köln. Erprobt wurde dabei ein elastisches Polymer, das dem Asphalt in geringen Mengen - in einer Größenordnung von drei Prozent zum Bitumen - zugemischt wird. Es sorgt dafür, dass die Asphaltmischung sehr viel stabiler und widerstandsfähiger wird und die Gefahr der Spurrillenbildung drastisch vermindert wird. Das neue Material verbessert aber nicht die Eigenschaften von herkömmlichem Asphalt. Denn außerdem lässt es sich als Bitumenemulsion auch für Reparaturen verwenden. So lassen sich zum Beispiel bereits vorhandene Spurrillen wieder ausgleichen, ohne dass die gesamte Fahrbahndecke erneuert werden muss.

Ermüdungsbrüche lassen sich mit dem neuen Material problemlos schließen. Und wenn man beim Auftreten erster Risse und Ablösungen das neue Material einsetzt, dann lassen sich durch solche vorbeugenden Instandsetzungen später sehr ins Geld gehende aufwändige Reparaturen vermeiden. Das schont die Kassen der Straßenbauer und bedeutet mehr Sicherheit für Autofahrer, die weit seltener in die "Aquaplaningfalle" tappen.

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