Zeitung Heute : Streit um Kosten der Hörfunkkooperation

Reinhart Bünger

Zwischen dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) und dem Sender Freies Berlin (SFB) ist ein neuer Streit entbrannt. Wie jede Auseinandersetzung hat er damit begonnen, dass man sich etwas vorwirft und endet damit, dass man sich etwas nachwirft. Letzteres zuerst: Der ORB wies am Montagabend Vorwürfe des SFB-Intendanten Horst Schättle zurück, er wolle dem SFB durch die Aufkündigung der gemeinsamen Hörfunkkooperation wirtschaftliche Probleme "einseitig aufbürden". Der Potsdamer Sender erwarte in Zukunft nicht mehr und nicht weniger als eine SFB-Beteiligung an den Kosten der gemeinsamen Hörfunksender, die dem um über 100 Millionen Mark pro Jahr höheren Gebühreneinkommen des SFB entsprechen würde.

Wie berichtet, möchte sich der ORB nicht länger an dem "Inforadio" beteiligen - um den eigenen Etat zu entlasten und weil man unzufrieden ist mit dem Metropolenzuschnitt des Nachrichtenprogrammes. Der SFB-Intendant hingegen hatte diesen Rückzug (und den in Aussicht gestellten Wiedereinstieg des ORB nach einigen Jahren) am Montag als weltfremd bezeichnet: "Das ist so wie bei einem Ehepaar, das sich auf Zeit scheiden lässt mit der Verabredung, in drei bis vier Jahren dies wieder rückgängig zu machen." Im Kern geht es hier um 15 Planstellen, die der ORB in das gemeinsame Inforadio einbringt. Der SFB, der die abgeschlossenen Kooperationen gerne aufrecht erhalten möchte, hält die Vorwürfe des ORB für substanzlos. Die Kosten seien im Verhältnis 55 (SFB) zu 45 (ORB) verteilt, erklärt SFB-Kommunikationschef Peter Kröger. Der SFB bringe jährlich 26 Millionen für die kooperierten Programme auf, der ORB 20 Millionen. Es könne nicht sein, dass der ORB von einem Ungleichgewicht rede. Eine Lösung des Streits könne er aber nicht andeuten.

Der ORB möchte die Kooperationsprogramme Fritz und Radio Eins mit dem SFB fortführen, zudem - gemeinsam mit dem SFB - ein Kulturprogramm mit dem NDR (Radio 3) fortführen und den Sender Radiokultur abschalten. Die (Verhandlungs-)Positionen des SFB sind zur Zeit undeutlich. Unstrittig allein, dass der Hauptstadtsender ein eigenes Hörfunkkulturprogramm auf die Beine stellen müsste, sollte der ORB gemeinsame Kultursendesache mit dem NDR machen. Der Programmausschuss des SFB hatte nämlich bisher ein Radiokulturprogramm mit dem ORB befürwortet. Das Gremium soll von der SFB-Geschäftsleitung nun "umgedreht" werden - und von seinem Votum ablassen.

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