Zeitung Heute : Streiten, zuhören und übersetzen

STEZL BERNHARD

Wo Menschen zusammenkommen, da entstehen auch Konflikte und es wird gestritten.Das ist der Einsatzort des Mediators, der gegen Bezahlung bei der Konfliktschlichtung hilft.In den USA wird das Mediationsverfahren schon seit über 20 Jahren angewendet.In der Bundesrepublik ist es erst seit Ende der 80er Jahre in der Diskussion.Anhand der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von der Schulmediation, über die Scheidungsmediation bis hin zum professionellen Eingreifen beim Mobbing am Arbeitsplatz, läßt sich ein breites Spektrum für dieses Berufsfeld aufzeigen.

Eine Pionierfunktion für die Einführung der Mediation in Deutschland hatte die Familienmediation.Bei ihr wird nach einem Weg gesucht, wie trotz anstehender Trennung oder Scheidung, das zukünftige Miteinander geregelt wird.Eine Lösung die nicht durch den Familienrichter formuliert wird, sondern durch die Streitparteien selbst.

Aber wer kann mediieren? Erst einmal jeder, denn die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt.Als ein qualifiziertes Aktionsfeld ist es vor allem für Geistes- und Sozialwissenschaftler gedacht.So finden sich neben Juristen und Unternehmensberatern vor allem Sozialpädagogen, Pädagogen sowie Psychologen in der Rolle des Streitschlichters wieder.

Die Familienmediatoren haben ein Regelwerk dafür, wie die Befähigung zum Mediator erworben werden kann: Zusätzlich zum Studienabschluß müssen zwei weitere Jahre Berufserfahrung vorhanden sein.Erst dann kann die Ausbildung begonnen werden.Die 200stündige Ausbildung beinhaltet Grundlagen der Gesprächs- und Verhandlungsführung, Interventionstechniken sowie das Verständnis für die rechtlichen Aspekte eines Konfliktes.Die Teilnahme an einer Supervision sowie die Bearbeitung von vier praktischen Fällen schließt die Ausbildung ab.Die Richtlinien der Wirtschaftsmediatoren sehen bei einer aussagekräftigen Berufserfahrung, die auch außeruniversitär sein kann, Ausnahmeregelungen für den Zugang vor.Ein Trend, der auch vom bundesweiten Verein Mediation e.V.befürwortet wird.

Damit sind die formalen Qualifikationen beschrieben.Aber was zeichnet einen guten Mediator aus? "Ein guter Mediator muß dumm werden", meint Monika Oboth vom Institut für Streitkultur.Sehr zugespitzt formuliert, bringt dies zum Ausdruck, daß die Kompetenz für die Bearbeitung des Konfliktes bei den Streitparteien liegt.Die Aufgabe des Mediators besteht darin, daß er durch das Fragen, Zuhören und Übersetzen von Interessen und Bedürfnissen beider Streitparteien, dem Konflikt eine neue Dynamik gibt.Diese Dynamik entsteht aber nicht durch Belehrung oder Schiedsspruch, sondern durch den sensiblen Umgang mit den Ängsten und Gefühlen der Mandanten.

Wenngleich sich die Qualifikationen und Grundhaltungen ähneln, ist der Mediator kein Therapeut.Im Gegensatz zur Therapie, hat die Mediation keinen Heilauftrag, sondern soll an einem konkreten Konflikt die Streitparteien wieder dazu bringen, daß sie miteinander umgehen können.

Wie in den meisten freien Berufen üblich ist die Bemessungsgrundlage für das Honorar die Zeitstunde.Ein Mediator verdient zwischen 80 und 300 Mark pro Stunde.Bevor das erste Geld verdient wird, muß aber erstmal welches ausgegeben werden.Die Kosten der in der Regel ganzjährigen berufsbegleitenden Ausbildung variieren je nach Art und Umfang zwischen 3000 und 6000 Mark und müssen selbst getragen werden.Wer sich trotz der Kosten für die Ausbildung zum Mediator interessiert, sollte auf jeden Fall an einem Einführungsseminar, das zwischen einem und drei Tagen dauert, teilnehmen.In Rollenspielen, Gruppenübungen und theoretischer Hinführung zum Konzept wird die Art der Tätigkeit deutlich.Hier schwankt die Teilnahmegebühr zwischen 300 und 1200 Mark.Einen ersten Eindruck vermittelt aber auch der kostenlose Einführungsabend, der von fast allen Ausbildern angeboten wird.Seriöse Anbieter legen Wert auf einen kontinuierlichen Ausbildungsprozeß.Auf diese Weise soll ein enger Bezug zwischen Theorievermittlung und Praxistransfer gewährleistet werden.

Ob Mediation ein Beruf wird, der die eigene materielle Existenz sichert, bleibt umstritten.Obwohl das "Angebot" an Streit und Konfliktfällen in nahezu allen Lebensbereichen vorhanden ist, hält sich die mit Kosten verbundene Nachfrage in Grenzen.Wahrscheinlicher ist es, daß Methoden der Mediation in verschiedenen Berufszweigen als Zusatzqualifikation erworben und angewendet werden müssen.

In jedem Fall sind die Qualifikationsanforderungen an Mediatoren hoch.Eine ausgeprägte Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Sensibilität sowie analytische Kompetenzen sind unabdingbare Voraussetzungen.Die nun anstehende Jahrestagung des Mediation e.V., vom 12.bis 14.Juni 1998 in Friedersdorf bei Frankfurt am Main, hat zwei Schwerpunkte: Wie findet Mediation als bezahlte friedliche Konfliktlösungsmethode ausreichende gesellschaftliche Anerkennung und was sind die Standards für Mediation als Beruf?

Ansprechpartner in Berlin

Mediation allgemein: Berliner Gruppe im Mediation e.V.; Jyoti Isabel Ulrich t 873 12 12
Familienmediation: Zusammenwirken im Familienkonflikt, Interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft e.V., t 861 01 95, Frauke Decker ( beste Zeit für Anrufe: montags 10 bis 13 Uhr)

Wirtschaftsmediation: Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt; Jutta Hohmann, t 687 49 48

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