Zeitung Heute : Stufentarif ohne Stufen

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Was ist eigentlich besser für Steuerzahler, der progessive Tarif, der gegenwärtig gilt und den die CSU beibehalten will? Oder der Stufentarif des CDUPolitikers Friedrich Merz? Die Antwort ist ganz einfach: Beide Modelle besteuern Einkommen progressiv. Und beide sind Stufenmodelle. Warum das Merz’sche Stufenmodell eigentlich ein Progressivmodell ist? Weil man seinen Durchschnittssteuersatz bei Merz eben nicht berechnet, indem man sein Einkommen im Stufendiagramm sucht und dann den jeweiligen Steuersatz berechnet, sondern das Einkommen aufteilt und für jeden Teil ein anderer Steuersatz gilt. Beispiel: Wer 50 000 Euro zu versteuern hat, zahlt keine Steuern für die ersten 8000 Euro, 12 Prozent Steuern für die nächsten 8000 Euro, 24 Prozent für weitere 24 000, 36 Prozent für die restlichen 10 000 Euro. Macht zusammen Steuern von 10 320 Euro, das sind im Durchschnitt 20,64 Prozent. Wer 40 000 Euro verdient, zahlt 6720 Euro, im Durchschnitt 16,8 Prozent. Bei 55 000 Euro Verdienst sind es 12 120 Euro Steuern, im Durchschnitt 22 Prozent. Die Steuerlast steigt also progressiv. Der Vorteil des Stufenmodells: Jeder kann sich seine Steuer auf einem Bierdeckel ausrechnen. Die komplizierte Formel des gegenwärtigen und des CSU-Modells entfällt. Die Formel braucht man, weil deren Tarifkurven nicht aus drei, wie bei Merz, sondern aus rund 2000 ganz kleinen Stufen von je rund 36 Euro Breite bestehen. Das erklärt auch, warum man das Gefühl hat, jeder zusätzlich verdiente Euro wird überproportional hoch besteuert. asi

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