Zeitung Heute : Stumme Diener - auch für Damen

Praktisches Wohnaccessoire in neuem Design

Elfi Kreis

Man nennt sie „Herrendiener“ oder „Stumme Diener“, neuerdings zuweilen auch „Dressboy“ oder „Kleiderbutler“. Meist tragen die Modelle männliche Namen. Sie machen sich überall dort beim Aufhängen und Lüften von Kleidungsstücken nützlich, wo das Outfit jederzeit knitter- und faltenfrei schnell zur Hand sein soll.

In Zeiten, wo auch die Dame von Welt längst Hosen anhat, Businesskostüm oder Jackett, Bluse oder Rock wohl gebügelt über die Runden kommen sollen, klingt vor allem die Bezeichnung „Herrendiener“ ziemlich antiquiert. Sie passt eher ins 19. Jahrhundert, als diese dienstbaren Geister schwer in Mode waren. Schwer im wörtlichen Sinn, denn die damaligen Modelle waren meist aus massivem Holz und kamen überwiegend wuchtig daher. Der praktische Kleiderständer von heute hat zwar seinen altmodisch anmutenden Namen nicht abgelegt, wohl aber sein verstaubtes Image. Er ist eher schlank und platzsparend und wirkt mit wohlgeformtem Chic oft wie eine moderne Skulptur.

Zu den Modellen aus edlem Massivholz, die sich durch schwebend wirkende, auf das Wesentliche reduzierte geometrische Formen auszeichnen, zählt „Kitami“ von Habitat. Wie von einem stilisierten Spitzgiebel überdacht, knüpft das in drei verschiedenen Größen erhältliche praktische Möbel in naturfarben oder dunkel gebeizter Eiche an die klare Formsprache moderner Architektur an.

Gleich ein Dutzend Stumme Diener in Holz, aus verchromtem Metall oder in Kombination verschiedener Materialien hat die Firma Pieperconcept in ihrer Produktpalette. Besonders raumsparend ist das Modell „Bill“ in farblos oder weiß lackierter Birke, denn es ist zusammenklappbar. Das kantige Gerüst mit Querstange erinnert an das Prinzip eines hölzernen Liegestuhls mit aufgesetztem Kleiderbügel. Besonders überzeugend in seiner einfachen wie formschönen Designlösung ist „Johann“ von Side by Side, gefertigt aus unbehandeltem, massivem Eschenholz. Die innovative Konstruktion sieht wie ein großer, rechteckiger Sammelkleiderbügel aus. Über Kreuz mittels eines zusätzlichen, leicht zu entfernenden Kleiderbügels aus Holz zusammengesteckt, erhält „Johann“ einen sicheren und stabilen Stand. Nimmt man den Kleiderbügel mit einem Handgriff heraus, kann man beide Teile auch an einen Haken oder in einen Schrank hängen. Side by Side ist der Markenname einer besonderen, zeitgemäßen Designkollektion, die von der Caritas Wendelstein in Zusammenarbeit mit mehr als 15 Designern entwickelt wurde und in den Werkstätten Rosenheim/Raubling von Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung gefertigt wird. Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit können sich sehen lassen.

Eine reduzierte, elegante Design-Lösung bietet auch der Hersteller Materia aus Schweden in seiner mehrfach mit Designpreisen ausgezeichneten und in Museumssammlungen aufgenommenen Serie „Vågspel“. Charakteristisch für den Kleiderbügel ist eine gewölbte Wellenform aus in Form gepresster laminierter Birke oder Buche, die an ein schwungvolles Paar hölzerner Flügel erinnert. Der Kleiderbügel besitzt eine schwarze oder graue Wandhalterung. Frei stehend auf ein Bodenstativ montiert, wird er zum Kleiderständer.

Die Mehrzahl der Stummen Diener ist heutzutage aus Edelstahl: verchromt und hochglänzend, alufarbig satiniert oder im mattem Metalliclook, vor allem sind sie ausgesprochen praktisch, wie beispielsweise auch „Atacio“ aus matt gebürstetem Edelstahl von Zack oder auch „Mato“ von Blomus (Flöz Design).

Zeitlos ist der Designklassiker „Mandu“, der Stumme Diener im Lizenzprogramm der Münchner Firma „ClassiCon“. Der Entwurf von Eckart Muthesius, Sohn des Begründers des Deutschen Werkbundes, Hermann Muthesius, stammt bereits aus dem Jahr 1932. Die elegante Erscheinung aus rundem Stahlrohr verrät in der Linienführung den typischen Schwung des Art Déco. Nach Auskunft von Kai McTassney, Vertriebsleiter von ClassiCon, wurde „Mandu“ von Muthesius speziell für den Maharadschas von Indore entworfen. Nur hatte dieses Modell keine Stange, über die man die Hose hängen konnte, da der Maharadscha in seiner Heimat die traditionellen Gewänder seines Landes zu tragen pflegte. Das verrät ein Foto von der Auktion des Original-Interieurs, das So the bys 1980 in Monte Carlo versteigerte. Als „Mandu“ in Serienfertigung ging, wurde diese Querstrebe in Absprache mit Muthesius wieder hinzugefügt.

Auch wer es gern etwas verschnörkelt oder auch nur spielerischer mag, findet einen passenden Kleiderbutler. Zu mediterranen Möbelstücken, Eisenbett und Landhausstil empfiehlt sich beispielsweise das aus massivem Eisen handgeschmiedete Modell „Bruce“ in der Romantik-Kollektion von Hasena.

Die Gretchenfrage nach der Vernachlässigung der Damenwelt bei der Bezeichnung „Herrendiener“ beantwortet der belgische Designer Thierry Bataille ganz praktisch mit je einer Formvariante für beide Geschlechter. Seine Stummen Diener gibt es als stilisierte Frauen- und auch als Männerfigur, gefertigt aus einer mitteldichten Faserplatte in Schwarz oder Weiß. Die Umrisslinien zeichnen das jeweilige Piktogramm nach, im Kopf lässt sich ein abnehmbarer Spiegel anbringen.

Auch für Kinder gibt es die praktischen Kleiderständer. Sie sind jeweils auf die Maße von Mädchen oder Knaben zwischen zwei und elf Jahren abgestimmt. Erhältlich sind sie bei Design Arenas, einem Spezialversand, der auch Designobjekte an Privathaushalte verkauft, die sonst nur in Hotels zu finden sind.

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