Zeitung Heute : Subito nimmt der Recherche den Schrecken

VALERIE POPP

Gelungene Kooperation der deutschen Bibliotheken / Derzeit kostenlose TestphaseVON VALERIE POPPLiteraturrecherche ist bekanntlich eine zeitaufwendige Angelegenheit.Ist ein gesuchter Artikel aus einer wissenschaftlichen Zeitschrift in den Bibliotheken am Ort nicht zu finden, stellt die langwierige Fernleihe die Geduld auf die Probe.Dem Besitzer eines Internetanschlusses bietet sich seit kurzem eine neue Möglichkeit: der neue Dokumentenlieferdienst "subito".Erstmalig ist mit diesem kostenpflichtigen Dienst eine Kooperation der deutschen Bibliotheken und eine Einigung von Bund und Länder über die Konditionen eines gemeinsamen Dokumentenlieferservices gelungen.Unter der Adresse www.subito-doc.de kann der Benutzer zunächst kostenlos recherchieren.Dazu wählt er eines der verfügbaren Zugangssysteme auf der Homepage aus.Recherchebasis ist dabei die Zeitschriftendatenbank (ZDB), die übrigens mehr als eine Millionen Zeitschriftentitel mit bibliographischen Angaben aufweist.Um anschließend Material zu bestellen, muß sich der Nutzer allerdings registrieren lassen.Während über kommerzielle Online-Libraries wie beispielsweise "Link" vom Springer-Verlag nur verlagseigene Zeitschriften zu beziehen sind, werden über subito alle wissenschaftlichen Zeitschriften, die in den beteiligten Lieferbibliotheken vorhanden sind, angeboten.Zu den Lieferbibliotheken zählen unter anderem die Staatsbibliothek zu Berlin sowie die Bayerische Staatsbibliothek München.Der Name subito (lat.-it.: sofort) ist hierbei Programm, denn subito verspricht schnellstmögliche Lieferung.Der Normaldienst nimmt drei Werktage in Anspruch, während der teurere Eildienst die Lieferung innerhalb eines Werktages garantiert.Guter Service hat jedoch auch seinen Preis, der bis zu zehn DM je Auftrag betragen kann: Subito unterscheidet dabei zwei Nutzergruppen.Gruppe Eins, zu der Studierende, Schüler, Auszubildende, Privatpersonen sowie Mitarbeiter von Bibliotheken und öffentlichen Einrichtungen gehören, und Gruppe Zwei, sogenannte "kommerzielle Nutzer".Bis zu zwanzig Seiten Literatur kann ein Student per E-Mail oder Filetranfer (FTP) für fünf Mark erhalten.Die Sendung per Post kostet ihn acht Mark, per Fax zehn Mark.Als Zahlungsart ist Bankeinzug, Kreditkarte, Überweisung oder Scheck möglich.Das Dienstleistungsangebot der Bibliotheken im World Wide Web wurde im Herbst 1994 als eine Bund-Länder-Initiative zur Beschleunigung der Literatur- und Informationsdienste ins Leben gerufen und wurde bisher vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie mit einer Summe von acht Millionen Mark gefördert.Realisiert hat die Entwicklung von subito das Deutsche Bibliotheksinstitut in Berlin.Nach drei Jahren Vorbereitungszeit folgte im November 1997 die Erprobung von subito.Diese Pilotphase dauert bis Ende des Jahres.Bildungsminister Rüttgers bezeichnete den neuen Zeitschriftenservice via Internet beim Start "als größten Innovationsschub, den die überregionale Dienstleistung der deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken bisher erhalten hat"."Das Konzept ist denkbar einfach.Der Nutzer soll am Arbeitsplatz in der Zeitschriftendatenbank rechercieren und die gewünschten Dokumente direkt nach Hause geliefert bekommen.Schnell und unabhängig vom geographischen Standort der liefernden Bibliothek", sagt Traute Braun-Gorgon, Leiterin der subito-Geschäftstelle beim Deutschen Bibliotheksinstitut in Berlin.Neben einem Internetanschluß benötigt der Nutzer dafür eine aktuelle Browserversion ab Netscape Navigator oder Internet Explorer 3.0.Momentan beschränkt sich subito noch auf die Lieferung wissenschaftlicher Artikel.An eine Ausweitung des Systems ist aber gedacht.Nach Worten von Frau Braun-Gorgon ist subito in drei Phasen angelegt.In der nun begonnenen ersten Phase handelt es sich um die Lieferung nicht-rückgabepflichtiger Aufsatzkopien während der Dienst in der zweiten Phase um die Lieferung elektronischer Dokumente erweitert werden soll.In der dritten Phase soll die Ausleihe von Büchern vom PC aus direkt an den Arbeitsplatz möglich sein.Nach ersten Einschätzungen von Frau Braun-Gorgon ist der Dienst sehr gut angenommen worden.Eine Evaluierung des subito-Dokumentenlieferdienstes ist ab April 1998 geplant.Wer den Service kostenlos ausprobieren möchte, hat dazu momentan in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin sowie in der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität die Möglichkeit."Um das System publik zu machen, bieten wir in den nächsten Monaten eine kostenlose Testphase an", sagt Heike Tänczyk, Leiterin der Leihverkehrabteilung an der Amerika-Gedenkbibliothek.Von subito verspricht sich Tänczyk eine langfristige Entlastung der Bibliotheken und eine bedeutende Verbesserung der Literaturversorgung der Öffentlichkeit.Der Weg in die Bibliothek, den der Nutzer in dieser gebührenfreien Testphase noch nimmt, ist dabei eigentlich überflüssig geworden.subito als ein Baustein der digitalen Bibliothek - das ist ein Hoffnungsschimmer in Zeiten, in denen Einsparungen im Etat der Bibliotheken und immer kürzere Öffnungszeiten zur Tagesordnung gehören.

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