Zeitung Heute : Suchen ist nicht gleich Suchen

Im Internet verfolgt jeder eine andere Strategie VON HANS-PETER STRICKERAuch wenn intelligente Agenten-Programme versprechen, in Zukunft alle Sucharbeit für den informationsüberfluteten Internet-Surfer zu übernehmen: ganz wird er sie sich doch nicht nehmen lassen.Und noch gehört das Selber-Suchen auf jeden Fall zum Internet-Alltag.Verschiedene Suchstrategien haben sich dabei mehr oder weniger bewährt.Hier eine kurze Typologie des WWW-Durchsuchens. Der systematisch Suchende denkt vorher nach: Wo und wie ist sein Themengebiet einzuordnen, was will er eigentlich finden, was könnte ihn noch interessieren? Unterstützt wird er dabei von sogenannten WWW-Katalogen, die ihn durch ein hierarchisch gegliedertes WWW-Inhaltsverzeichnis führen.Angefangen bei "Naturwissenschaften" klickt er sich zum Beispiel bei Yahoo! (einem der populärsten WWW-Kataloge) oder InfoSeek (einem der größten) Schritt für Schritt über "Physik", "Theoretische Physik" und "Theorien" bis zu einem Text über "Virtuelles Chaos" vor. Dabei behält er immer im Auge, wo er gerade ist und was es auf der jeweiligen Ebene sonst noch so gibt.Und entgeht damit dem "Lost in Hyperspace"-Syndrom.Das befällt nämlich regelmäßig den großflächig Suchenden, der mit Hilfe sogenannter Suchmaschinen wie Lycos oder AltaVista einfach das gesamte World Wide Web nach "Virtuellem Chaos" durchsuchen würde.Denn wohin ihn ein Link führt weiß er ebensowenig wie die Suchmaschine. Schlimmstenfalls landet er auf einer einsamen Insel in den unergründlichen Weiten des World Wide Web - kein rettendes Schiff ist am Horizont in Sicht, es hilft nur noch das Klicken der "Zurück"-Taste.Gleichwohl führen Schlagworte den großflächig Suchenden oft schneller zum Ziel als den systematisch Suchenden das meist mühsame Navigieren durch die komplexen Themen-Hierarchien der WWW-Kataloge.Die zudem bei weitem nicht die Vollständigkeit aufweisen können, der sich die Suchmaschinen so gerne rühmen. Dafür, und das ist nicht zu unterschätzen, werden die WWW-Kataloge oft von Hand gepflegt.Ganze Redaktionsscharen sind beispielsweise damit beschäftigt, die Verzeichnisse der Virtual Library (des traditionsreichsten WWW-Kataloges) ständig zu aktualisieren - und vor allem auf einem gewissen Qualitätsniveau zu halten. Darauf achten auch die Anbieter sogenannter Ressourcen-Seiten, Ausgangspunkte des eingeweihten Suchenden.Von vornherein auf ein kleines Themenfeld beschränkt - etwa die theoretische Physik - finden sich hier ausschließlich einschlägige Links, meist ehrenamtlich von Einzelpersonen zusammengetragen und für gut befunden.Gleichwohl halten auch die Ressourcen-Seiten den Kontakt zur Weite des World Wide Web: durch typische Verweise auf "weitere Ressourcen-Seiten".Hier ist der eingeweihte Suchende in seinem Element und doch up-to-date. Eher web-untypisch, aber häufig anzutreffen, ist schließlich der unentschieden Suchende.Er sucht überhaupt nicht im World Wide Web, sondern in einschlägigen Zeitschriften nach Hinweisen auf "interessante WWW-Adressen".Auch das ist ein Weg, und oft ist ja auch die Adresse einer Ressourcen-Seite, einer Suchmaschine oder eines Kataloges darunter.

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