Zeitung Heute : Süßigkeiten verstecken

Nicola Kuhn

Wie eine Mutter die Stadt erleben kann

Jan und Josefine haben eine ganz große Leidenschaft: Süßigkeiten. Mir als Mutter mit Verantwortung ist das natürlich ein Graus. Weshalb ich schon so manche mitgebrachte Schokolade habe verschwinden lassen, um sie selbstlos noch spät in der Nacht mit dem Vater der gefährdeten Kinder aufzuessen. Das geht allerdings zunehmend schlechter, denn nicht nur unsere Freunde, auch Jan und Josefine haben uns mittlerweile im Verdacht.

Überhaupt keine Chance hat diese Strategie bei Kindergeburtstagen, wenn am Ende jeder kleine Gast ein Säckchen mit diversen Schleckereien offiziell erhält. Welche Lust, sie nach der Heimkehr zu Hause auf dem Boden auszubreiten, jedes Stück einzeln zu betrachten und dann in eine Kiste zu packen. Stirnrunzelnd umkreise ich dann stets diese einträchtige Szene und ermahne mit strengem Ton: „Nur zum Nachtisch! Und nur ein Stück!!“ Ohne aufzuschauen, erwidern dann die beiden routiniert: „Klar, sonst gibt es Bauchweh und schlechte Zähne.“ Was soll man Vierjährigen da noch sagen?

Natürlich wissen Jan und Josefine, dass ich ihnen trotz solch vernünftiger Rede misstraue. Sie haben sich deshalb nun ihrerseits einen Trick ausgedacht und die Kiste mit den Süßigkeiten unter einem Schemel versteckt, obendrauf ein Zettel mit den für Josefine typischen Hieroglyphen. „Ver-bo-ten!“, hat mir Jan extra vorgelesen. Stark beeindruckt, wagte ich nur einzuwenden, dass der Karton lieber abgerückt von der Heizung versteckt werden sollte. „Da ist keine Schokolade drin,“ erklärten die beiden darauf scheinheilig und schickten mich aus dem Zimmer, weil sie früher ins Bett gehen wollten. Freiwillig haben sie das noch nie getan, ich ahnte Übles. Bei meinem nächsten Kinderzimmer-Besuch hockten sie im Pyjama in unerreichbarer Höhe auf ihrem Hochbett, klar, mit Kiste. „Das bewahren wir alles für Karneval auf“, erklärte Josefine stolz von oben herunter. Die guten Kinder: Sie wissen, wir fahren dann wieder nach Köln, wo es Süßigkeiten nur so regnet.

Eine Alternative: Fruchtgummis aus Fruchtsaft beim „Bärenland“, Schönhauser Allee 124.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar