Zeitung Heute : Summa summarum

Amory Burchard

Der Weg für Studiengebühren ist frei. 500 Euro sind pro Semester als Anfangssumme im Gespräch. Was wird studieren in Zukunft kosten?

500 Euro Studiengebühren im Semester könnten ein „Richtwert“ sein, sagt der Wissenschaftsminister Baden-Württembergs, Peter Frankenberg (CDU). Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) spricht von 500 Euro als „moderate Einstiegssumme“. Und auch die Karlsruher Richter haben in ihrem Urteil am Mittwoch eine Gebührenhöhe von 500 Euro genannt, die im Vergleich zu den Lebenshaltungskosten „nachrangig“, also bezahlbar wäre.

So weit, so vage. Interessant ist, wie die Vorkämpfer für Studiengebühren den Spielraum ausfüllen wollen, den sie mit ihren Formulierungen öffnen: „Richtwert“ heißt für Frankenberg, dass die Hochschulen nach einer Übergangsfrist selbst über die Höhe der Studiengebühr entscheiden können. Die HRK will schon lange die Freigabe für einzelne Hochschulen und Fächer.

Tatsächlich liegen die Kosten eines Studiums weitaus höher als 500 Euro pro Semester: Laut Statistischem Bundesamt gibt der Staat für Studenten in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften jährlich 2020 Euro dazu, in den Sprach- und Kulturwissenschaften 2770, in der Humanmedizin gar 29 650 Euro.

Bisher betonen die Wissenschaftsminister, dass Studiengebühren keinesfalls kostendeckend wären und wollen den Hochschulen stabile Staatszuschüsse garantieren. Bezweifelt wird das insbesondere von Gebührengegnern. Der Wissenschaftsminister von Rheinland-Pfalz, Jürgen Zöllner, sagte gestern in Berlin, er rechne in Kürze mit 2000 Euro Semestergebühr in Unionsländern. 2500 Euro hält der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung für realistisch.

Erfahrungen aus dem Ausland zeigen: Die Kosten können schnell steigen, müssen aber nicht. In Australien, wo 1989 Studiengebühren eingeführt wurden, zahlten die Studierenden anfangs umgerechnet 1450 Euro im Jahr, quer durch alle Hochschulen und Fachbereiche. Nach acht Jahren wurden die Gebühren nach Fächergruppen differenziert – und sind seitdem erheblich gestiegen: bis auf jährlich umgerechnet 4700 Euro für Jura und Medizin beziehungsweise 2800 Euro für Geisteswissenschaften. Ab dem 1. Januar können die Unis die Gebühren festlegen, ab 2006 bis zu 25 Prozent über den bisherigen Höchstsätzen. Beide Stufen – die Differenzierung nach Fächern und die Freigabe des Kostenrahmens – sind in Deutschland schon heute im Gespräch.

Aber Australien ist weit weg und es steht in der angloamerikanischen Tradition. Ist eher der Blick ins Nachbarland Österreich ein Blick in die nähere deutsche Gebührenzukunft? Dort wurden im Jahr 2000 Beiträge von 363 Euro pro Semester eingeführt – und seitdem nicht erhöht. Zwar wünschen sich auch die dortigen Unipräsidenten kostendeckende Einnahmen, halten das aber für „politisch noch nicht durchsetzbar“, wie Rektorenpräsident Georg Winckler betont.

Fest steht nur: An Gebühren kommen nach dem Urteil auch die Länder, die mit Studienkonten ein gebührenfreies Erststudium garantieren wollen, nicht vorbei. Minister Zöllner kündigte Studiengebühren von bis zu 650 Euro für auswärtige Studenten an. So soll verhindert werden, dass die rheinland-pfälzischen Universitäten von Gebührenflüchtlingen gestürmt werden.

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