Zeitung Heute : Sun und Oracle: Neues Bündnis gegen Microsoft

Die kalifornischen Computerunternehmen Sun Microsystems und Oracle haben sich zu einem neuen Bündnis gegen den Software-Konzern Microsoft zusammengeschlossen.Sie vereinbarten zum Wochenanfang die gegenseitige Lizensierung ihrer Programme mit dem Ziel, die Arbeit in Firmennetzen zu vereinfachen.Der neue Vorstoß erfolgt drei Jahre nach der wenig erfolgreichen Initiative, den Personalcomputer durch einen Netzcomputer (NC) abzulösen.

Der neue Plan sei eine Weiterentwicklung der 1995 vorgestellten Vision vom Netzcomputer, sagte Oracle-Vorstandschef Larry Ellison am Montag abend während einer telefonischen Pressekonferenz.Das Konzept sieht die Entwicklung von Servern vor, die statt eines umfangreichen Betriebssystems wie Windows NT von Microsoft nur noch den Software-Kern des von Sun entwickelten Unix-Betriebssystems Solaris benötigen.Diese neuen Server sollen dann den angeschlossenen Arbeitsplätzen im Büro die benötigten Dokumente oder E-Mails bereitstellen, indem die neue Oracle-Datenbanksoftware Oracle 8i eng mit dem Sun-System verbunden wird.

Sun stellt auch Hochleistungsrechner her.Zur Integration des neuen Systems mit anderen Rechnern wurden den Angaben zufolge Gespräche mit PC-Herstellern wie Compaq, Hewlett-Packard und Dell aufgenommen.Das neue System soll ab März nächsten Jahres verkauft werden.Microsoft wertete die neue Initiative als weiteres Argument gegen die Ziele des derzeit laufenden Kartellverfahrens gegen den Marktführer für PC-Software."Dies ist ein weiteres Beweisstück, das zeigt, wie dynamisch und voller Wettbewerb die Software-Branche ist", sagte Microsoft-Sprecher Mark Murray.Absicht der neuen Allianz sei es, die Position von Microsoft anzugreifen.Das Microsoft-Betriebssystem Windows läuft auf 80 bis 90 Prozent aller Personalcomputer.Die Server-Ausgabe Windows NT verbucht wachsende Marktanteile im Wettbewerb mit verschiedenen Versionen von Unix.

Unterdessen wurde bekannt, daß der Mitbegründer des Softwaregiganten Microsoft, Paul Allen, in den vergangenen Wochen 3,5 Millionen Aktien des Unternehmens abgestoßen hat.Der Gesamterlös für die zwischen dem 5.und 12.November verkauften Papiere betrug 385,2 Millionen Dollar (653 Mio DM), berichtete die Wirtschaftsagentur Bloomberg am Dienstag.Neben Multimilliardär Allen, der Microsoft im Jahre 1983 verlassen hatte, verkauften mehrere amtierende Microsoft-Vorstandsmitglieder vom 4.bis 23.November 579 000 Aktien.Das Unternehmen gab keinen Kommentar zu den Verkäufen ab.Allen hatte bereits im Mai Microsoft-Aktien für 681,5 Millionen und im Februar für 1,24 Milliarden Dollar verkauft.Er hält Anteile an mehr als 50 Technologie- und Entertainmentfirmen.Die Aktie von Microsoft (Redmond/US-Bundesstaat Washington) fiel an der Wall Street am Montag (Ortszeit) um 6,06 Dollar oder 4,5 Prozent auf 127,93 Dollar, nachdem sich die Rivalen Sun und Oracle gegen den Software-Riesen verbündet hatten.

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