SUPERHELDEN-PARODIE„The Green Hornet“ : Trottel und Raketenwerfer

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Foto: Sony
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Millionärssöhnchen Britt Reid (Seth Rogen, links) ist ein Tunichtgut: Statt dem strengen Vater und Besitzer eines Zeitungsimperiums ein tugendhafter Nachfolger zu sein, führt er ein dekadentes Luxusleben und lässt sich im Stretch-Hummer von einer Jetset-Party zur nächsten kutschieren. Selbst nach dem Ableben seines Altvorderen hat er nichts Besseres im Sinn, als gemeinsam mit seinem multitalentierten Adlatus Kato (Jay Chou, rechts) der Grabstatue des Vaters den Kopf abzuflexen.

Der Adrenalinkick des nächtlichen Lausbubenstreichs, bei dem die beiden zufällig einen Überfall vereiteln, wird zur Initialzündung: Ausgestattet mit Zorro-Masken und dem raketenwerfenden, reifenschlitzenden Superauto „Black Beauty“ mischen Reid als „Green Hornet“ und der kampfsporterprobte Techniktüftler Kato als namenloser Sidekick die Unterwelt von Los Angeles auf. Die wirrköpfigen Aktionen rufen bald den eitlen Gangsterboss Chudnofsky (Christoph Waltz) auf den Plan.

Michel Gondrys Kino-Remake der gleichnamigen, in Deutschland wenig bekannten US-Fernsehserie der Sechziger bezieht seinen Reiz aus der Brechung des Superhelden-Genres: „Green Hornet“ ist ein tollpatschiger Trottel mit der geistig-moralischen Reife eines Sechzehnjährigen, dem sein aufmüpfiger Partner permanent aus der Patsche helfen muss. Rogen und Chou werfen sich mit anarchischem Spaß noch in die albernsten Kampfchoreografien. Beide wählen Reids zickige Sekretärin (Cameron Diaz) als Love Interest, doch ihre täppischen Annäherungsversuche betonen eher die homoerotischen Schwingungen ihrer Jungsfreundschaft.

Die erste Big-Budget-Produktion des französischen Regisseurs leidet zwar an der holprigen Dramaturgie und ist als Superhelden-Parodie nicht ganz so witzig wie „Kick Ass“, macht aber dennoch eine Menge Spaß. Es gibt verschleißreiche Zerstörungsorgien, originelle Todesarten und einen hinreißenden Schurken – wobei man schon ahnt, dass einem Christoph Waltz’ manieristisches Virtuosentum bald auf die Nerven gehen könnte.

Überflüssig wirkt die nachträgliche 3-D-Konvertierung des fertigen Films: Nur in wenigen Zeitlupenszenen, einer furiosen Split-Screen-Sequenz und dem grafischen Abspann ist die Räumlichkeit gewinnbringend, ansonsten nerven wie üblich partielle Unschärfe, zu dunkle Farben und das Gefummel mit den Brillen – vom höheren Preis mal ganz abgesehen. Großer Popcornspaß.Jörg Wunder

USA 2010, 119 Min., R: Michel Gondry, D: Seth

Rogen, Jay Chou, Christoph Waltz, Cameron Diaz

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