Zeitung Heute : Surfen & Co für Einsteiger

MAREN PETERS

Beim Surfen durchs Internet stolperte Helen McNamara Anfang April über ein Projekt namens "Netdays Europa".Dahinter, konnte sie lesen, steht die aus den USA importierte Idee, durch Tage der "offenen Tür" das Interesse insbesondere von Lehrern und Schülern fürs Internet zu wecken und den Umgang mit Neuen Medien in den Schulen voranzutreiben.In den USA hat die "Netday-Initiative" beachtliche Blüten getrieben: 50 Prozent der Schulen sind mittlerweile ans Internet angeschlossen."Klasse", dachte sich die Wahl-Berlinerin McNamara, "aber warum gibt es ein solches Angebot ausgerechnet in der Bundeshauptstadt Berlin nicht?" Kurzerhand griff sie zum Telefon und meldete beim "Netday"-Veranstalter, der Europäischen Kommission, Interesse an.

Gut fünf Monate später kann sie ein beachtliches Programm präsentieren: 126 mit wenigen Ausnahmen kostenlose Veranstaltungen in 17 Bezirken, davon allein 32 in der "ufa-Fabrik" (Tempelhof), haben sie und ihr Team für die "Open Doors Berlin - Netdays Europe 98" organisiert, die heute beginnen.Im Gemischtwarenladen der Angebote können Kinder und Jugendliche, Lehrer, Eltern und Interessierte sich bis zum 24.Oktober in Schulen und Bibliotheken, Jugendzentren und Unternehmen umfassend über die neuen Infotechnologien informieren.

Vom "Lernen im Internet" über virtuelle Museumsführungen bis hin zu kostenlosem Surfen und europaweitem Chatten im Internet an diversen Orten der Stadt dürfte eigentlich jeder Geschmack bedient werden.So können Kinder gemeinsam mit der Medienwerkstatt "Helliwood" in der "ufa-Fabrik" einen virtuellen Zirkus bauen, sich online in der Konstruktion einer "verrückten Maschine" versuchen oder "Netzspiele für Kids" entwerfen.Speziell an Mädchen richtet sich die Computer-Schnupperaktion im Jugendfreizeitheim Teltow in Zehlendorf.

In dem Wissen, daß die modernsten Computer in Schulen nichts nützen, solange niemand sie den Kids erklären kann, bietet der Ernst Klett Verlag im Rahmen der "Netdays" einen "Trainingskurs für Lehrer" an.Mit einem "Initiativtag Computer und Schule" am 17.Oktober (Der Tagesspiegel berichtete) will er Pädagogen den Umgang mit den Neuen Medien schmackhaft machen.Auch das Website-Internet-Cafe (Charlottenburg) sucht die pädagogischen Defizite mit einer "Internet-Einführung für Lehrer" zu minimieren.Vor dem Hintergrund einer aktuellen Studie, wonach die Mehrzahl der Lehramtsstudenten zu Studienbeginn keinen Schimmer von Computern haben, machen spezielle Angebote wie die "Informatorische Grundbildung für Lehramtsstudierende" und die "Informationssuche für Unterrrichtsvorbereitungen" der Computerschule "Profikids" (Tempelhof) Sinn.

Diverse Angebote hat auch die FU-Berlin (Zehlendorf) anläßlich der "Netdays" im Angebot: Von "Comics & Co im Internet" über "Nachrichten aus dem Internet", einer "Internet-Weiterbildung für Hochschulabsolventen" bis hin zu "Internet für Frauen" versucht sie, vielen verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden.Für Arbeitssuchende gibt es besondere Offerten, darunter "Jobsuche im Internet" (FU Berlin), "Surf for a job" (Gesellschaft für berufsbildende Maßnahmen, Kreuzberg) oder "Perspektiven und Berufsbilder in den neuen Medien" (Pixelpark, Tiergarten).

Die "Netdays" wollen nicht nur das Interesse an den neuen Informationstechnologien wecken, sondern auch die Rahmenbedingungen für eine breitangelegte Fundraising-Kampagne schaffen.Jugendliche sind aufgerufen, "Netday"-Aufkleber und -buttons gegen Spendenbeiträge abgegeben, um dadurch finanzielle Unterstützung für die Aufrüstung ihrer Schule mit moderner Kommunikation zu erhalten.

Das ausführliche "Netday"-Programm kann im Internet unter " www.netdays-berlin " abgerufen werden.Gedruckt liegt es in Bezirksämtern und der "ufa-Fabrik" (Viktoriastraße 10-18) aus.

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