Zeitung Heute : Synergieeffekte

WILFRIED LINDO

Das Positive vorweg.Berlin bietet im multimedialen Umfeld eine Vielfalt, die in der Republik ihres Gleichen sucht.In keiner anderen Stadt existiert solch ein heterogenes Angebot an Dienstleistern.Von der Werbeagentur, über den Service-Provider bis hin zum Sender ist wirklich alles vertreten, was Multimedia ausmacht.Eine hervorragende Basis für Synergien der unterschiedlichsten Ausprägungen.Hinzukommt eine ungewöhnlich große Anzahl von Universitäten, Hochschulen und Ausbildungseinrichtungen, die den Multimedia-Markt ständig mit jungen, unverbrauchten Ideen befruchten.Darüber hinaus verfügt die Stadt über eine gewachsene Subkultur mit den unterschiedlichsten Facetten.Dieses Überangebot bringt immer wieder interessante Experimente hervor.Eine Mischung aus Ehrgeiz, Ideenreichtum und ein Wille zum Erfolg ist dabei den Beteiligten eigen.

Nicht zu unterschätzen ist die noch immer vorherrschende Unruhe des Umbruchs in der Stadt.Auch in dem Jahre neun nach Mauerfall ist die flexible und anpassungsfähige Branche von der permanenten Veränderung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten geprägt.Bereit für neue Ideen und Konzepte.Diese Synergie aus Vielfalt, Kreativität und Hauptstadt-Bonus gibt Berlin einen kosmopolitischen Anstrich, den keine andere Stadt in Deutschland aufweisen kann.Nur der Samen ist noch immer nicht aufgekeimt.Woran liegt es, daß die Hauptstadt noch nicht im Mittelpunkt der multimedialen Welt steht? Was fehlt dem Berliner Markt?

Die Antwort liegt in dem noch immer fehlenden wirtschaftlichen Umfeld.Die Kassen sind leer, knapp bemessen sind öffentliche Gelder, die nur ein Tropfen auf den heißen Stein darstellen.Nur wenige Kapitalgeber zeigen sich bereit, Risiken für Multimedia-Projekte einzugehen.Die Macher selbst zeigen sich noch zu ängstlich, sich mit Gleichgesinnten an einen Tisch zu setzen.Hier steht Ihnen die Berliner Mentalität eher im Wege.Selbst bei den großen Medien- und Techologiezentren bestehen wenige Bestrebungen zu Synergien.Jeder kocht sein eigenes Süppchen.Hier ist ein Sinneswandel zwingend gefordert.

Natürlich ist der Sog, der von einer Hauptstadt ausgeht, nicht zu unterschätzen.Schon jetzt wächst der multimediale Markt stündlich.Neue Produktionsfirmen, Verlage und Dienstleister siedeln sich in Berlin und Umgebung vermehrt an.Der Zuzug zumindest von Dependencen und Niederlassungen beschert Berlin über kurz oder lang neue Projekte, Kooperationen und Experimente, von denen nicht nur die vorhandenen, sondern auch viele neue Multimedia-Dienstleister profitieren werden.Angesichts eines stark anwachsenden Auftragsvolumens bietet Berlin und sein Umland noch Platz für viele weitere kleine, spezialisierte Dienstleister, aber auch für die großen Global Player.Im direkten Vergleich mit anderen Multimedia-Metropolen verbucht die Hauptstadt klare Vorteile für sich, die sie nutzen muß.Der Weg dahin führt nur über ein stärkeres Zusammenrücken der Szene.Gerade wegen der leeren Kassen ist mehr gemeinschaftliche Initiative gefordert.Dabei sollten die Beteiligten ganz bewußt auf die Stärke des Berliner Markts setzen: die große Vielfalt, der heterogene Aufbau, die Lust am Experimentieren, die unkonventionelle Art, die Spontanität sowie die vielschichtige Subkultur.Um in Berlin erfolgreich zu sein, sollten die Macher immer etwas anders, innovativer, verrückter und wagemutiger sein.Wer sich dies auf die Fahne schreibt, zu dem gesellt sich der geschäftliche Erfolg von ganz allein

Der Autor ist Unternehmensberater in Berlin und hat sich auf den Bereich Multimedia spezialisiert.

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