SYNTHIE-BOMBASTHurts : Ein Wimpernschlag Ewigkeit

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Also, ich muss bei dieser Band immer an eine Freundin denken. Die ist Tätowiererin und wurde eines Tages im letzten Herbst von einer stark sächselnden Kundin heimgesucht, die einen Schriftzug tätowiert haben wollte, der in ihrer Aussprache nach „Hurz“ klang. Zum Glück klärte sich das Missverständnis noch vor dem ersten Piekser, denn natürlich war nicht der Dada-Pop-Hit von Hape Kerkeling gemeint, sondern das gerade mächtig durchstartende Synthiepop-Duo aus Manchester.

Hurts also. Echo- und Bambi-Gewinner in der Kategorie Newcomer bzw. Shooting Star. Ein Nummer-Zwei-Album in den deutschen Charts, mehrere Singles in den Top 10. Ausverkaufte Tournee im Frühjahr. In Berlin füllten sie die Columbiahalle. Ich war dort. Und musste trotz anfänglicher Skepsis zugeben: Das hat was. Dieser übertriebene Synthie-Bombast, der schamlos das Naheliegendste aus 30 Jahren Depeche Mode, den größten Hits von Alphaville und Tears For Fears und dem „Jenseits von Eden“-Superschmalz von Nino de Angelo klaut und daraus grandiose Handydisplay-Hymnen wie „Wonderful Life“ oder „Stay“ zusammenpanscht. Musik, die nicht die Jahrzehnte überdauern wird, aber für einen Wimpernschlag die Ewigkeit aufreißt. Dazu diese abgefeimte Bandgründungslegende: wie sich Theo Hutchcraft (rechts) und Adam Anderson beim Abholen der Stütze auf dem Arbeitsamt kennenlernen, weil beide auf einen picobello Auftritt im Second-Hand-Anzug Wert legen. In der Malochermetropole Manchester! Und dann leisten sie sich auch noch einen Opernsänger und lassen ihre Mietmusiker wie Kraftwerk-Puppen agieren, während Hutchcraft den Theatraliker gibt. Es ist Pop, Baby!Jörg Wunder

Zitadelle, Sa 13.8., 19 Uhr, ab 40 €

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