Zeitung Heute : System in Rente

Heike Jahberg

2005 wird manches anders. In unserer Serie nehmen wir diese Woche täglich ein Thema unter die Lupe. Heute: Was ändert sich bei der Besteuerung von Alterseinkünften?

Die gute Nachricht zuerst: Auch im neuen Jahr zahlen drei Viertel aller deutschen Rentner keine Steuern. Und das, obwohl mit dem Jahreswechsel auch ein grundlegender Wechsel in der Rentenbesteuerung stattgefunden hat. Doch dank langer Übergangsfristen und hoher Freibeträge merken die meisten Senioren davon noch nichts. Nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums bleiben allein stehende Rentner, die im Jahr nicht mehr als 18900 Euro Rente brutto und darüber hinaus keine weiteren relevanten Zusatzeinkünfte haben, steuerfrei. Für Verheiratete verdoppeln sich die Bezüge.

Mit dem neuen Gesetz führt der Gesetzgeber einen grundlegenden Systemwechsel bei der Besteuerung von Alterseinkünften ein. Im Jahr 2040, wenn der Übergang abgeschlossen sein wird, werden Ruheständler 100 Prozent ihrer Renten versteuern müssen. Im Gegenzug dazu werden die Beiträge zur Rentenversicherung schrittweise steuerfrei gestellt. Schon im Jahr 2025 werden Arbeitnehmer diese zu 100 Prozent von der Steuer absetzen können. Das kostet den Bundesfinanzminister eine Stange Geld, soll aber vermeiden, dass eine verfassungswidrige Doppelbesteuerung entsteht.

Den Wechsel zur so genannten nachgelagerten Besteuerung hat sich die rot-grüne Bundesregierung jedoch nicht aus eigenem Antrieb ausgedacht. Vielmehr hatte das Bundesverfassungsgericht den Gesetzgeber dazu verdonnert. In ihrem Urteil vom 6. März 2002 hatten die Verfassungsrichter bemängelt, dass Renten und Pensionen unterschiedlich besteuert werden. Während Pensionäre schon damals ihre Ruhebezüge – nach Abzug von diversen Freibeträgen – versteuern mussten, war bei den gesetzlichen Renten nur ein Teil der Bezüge, der so genannte Ertragsanteil, steuerpflichtig. Bei einem Rentenbeginn mit 65 Jahren mussten nur 27 Prozent der Einkünfte versteuert werden. Diese Regelung benachteiligt die Pensionäre unangemessen, urteilten die Richter, und nahmen den Gesetzgeber in die Pflicht, bis zum 1. Januar 2005 eine Neuregelung auf die Beine zu stellen.

Diese ist jetzt in Kraft. Menschen, die bereits in Rente sind oder in diesem Jahr Rentner werden, müssen nach dem neuen Gesetz 50 Prozent ihrer Rente versteuern. Die anderen 50 Prozent sind der persönliche Freibetrag, der den Betroffenen bis an ihr Lebensende erhalten bleibt. Hinzu kommen noch weitere steuerliche Abzugsmöglichkeiten, allen voran der steuerliche Grundfreibetrag von 7664 Euro im Jahr, der jedermann zusteht. Alle Freibeträge zusammengenommen führen dazu, dass in diesem Jahr knapp 19 000 Euro steuerfrei bleiben. Das ändert sich peu à peu für die nachfolgenden Rentnerjahrgänge. Wer 2006 Rentner wird, muss schon 52 Prozent der Rente versteuern, von Jahr zu Jahr steigt der steuerpflichtige Anteil weiter an, bis im Jahr 2040 die gesamte Rente steuerpflichtig wird.

Im Gegenzug werden die Arbeitnehmer entlastet. Die Rentenbeiträge werden in diesem Jahr zu 60 Prozent steuerfrei gestellt – bis zu einer Höchstgrenze von 12 000 Euro. Und im Jahr 2025 sind sie komplett freigestellt.

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