Zeitung Heute : T-Offline verärgert seine Kunden

KURT SAGATZ

Neue Software überlastet Netzzugänge in den Ballungsräumen / Berlin besonders betroffen VON KURT SAGATZ­In der T-Online-Gemeinde herrscht Katerstimmung.Sehnsüchtig hatten die inzwischen 1,6 Millionen Kunden des größten deutschen Online-Dienstes auf die neue Version der Zugangssoftware gewartet, die zum einen schnelleren Zugang zu E-Mails und Internet und zum anderen größeren Komfort beim Surfen durch das World Wide Web und T-Online versprach.Die neue Software ist zwar grundsätzlich in der Lage, diese Erwartungen zu erfüllen, leider aber war die Telekom-Tochter offensichtlich nicht darauf vorbereitet, daß gleich derart viele Onliner ihre Software installieren und dadurch die neu geschaffenen Zugangsknoten überlasten würden. Im Gegensatz zur alten Software nutzt die Version 2.0 den allgemein üblichen Zugang zum Netz über das Point-to-Point-Protocol PPP.Erst nach der Einwahl über PPP wird entschieden, ob nun Internet, E-Mail oder T-Online genutzt wird.Dies hat den Vorteil, daß unkompliziert zwischen den Anwendungen gewechselt werden kann.Allerdings werden zusätzliche Sicherheitsabfragen notwendig ­ und genau daran scheitert derzeit häufig die Einwahlprozedur. Überlastet sind nach Angaben von T-Online-Pressesprecher Jörg Lammers die Zugangsrechner nahezu aller deutschen Ballungsräume.Mit Hochdruck werde an einem Update der Zugangssoftware der Netzrechner gearbeitet."Wir hoffen, damit im Laufe der Woche fertig zu werden", so der Sprecher.Aber auch ein Alternativ-Plan liegt bereits in der Schublade der Online Pro Dienste GmbH: Zeichnet sich kurzfristig keine Lösung des Problems ab, wird das Unternehmen empfehlen, vorübergehend auf den Einsatz der neuen Software zu verzichten, um mit dem alten Decoder eine zuverlässige Einwahl zu gewährleisten. In der Online-Branche werden die Probleme des Marktführers mit einer gewissen Schadenfreude verfolgt.Besonders der Konkurrenzdienst AOL kann sich die Hände reiben.Denn verglichen mit den inzwischen fünf Tagen, in denen T-Online seinen Kunden keinen zuverlässigen Netzzugang gewährt, sind die 19 Stunden, die AOL im letzten Jahr offline war, nur noch halb so schlimm.Immerhin hatte es seinerzeit vor allem von Geschäftskunden, die auf funktionierende E-Mail-Kommunikation angewiesen sind, lautstarke Proteste gegeben.Die E-Mails, Faxe und Telefonanrufe, die jetzt allein bei dieser Zeitung zu den Problemen bei T-Online eingingen, haben einen ähnlichen Tenor.Bei T-Online kommt allerdings erschwerend hinzu, daß über diesen Dienst inzwischen weit über zwei Millionen Bankkonten online verwaltet werden.Bislang war dies für die Telekom-Tochter ein Grund zur ausgiebigen Werbung.Doch nun ist fraglich, was ärgerlicher ist: Abends vor verschlossenen Banktüren zu stehen oder auf Homebanking verzichten zu müssen, weil der Provider seine Probleme nicht in den Griff bekommt.Neue Software überlastet Netzzugänge in den Ballungsräumen / Berlin besonders betroffen.

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