Zeitung Heute : T-Online am virtuellen Pranger

KURT SAGATZ

Um die Stimmung in der Online-Branche ist es nicht zum Besten bestellt.Der Verein eco Electronic Commerce Forum wirft dem Online-Dienst der Telekom - T-Online - in ungewöhnlich scharfer Form einen Mißbrauch seiner Stellung als Marktführer vor.Das Zugangsprogramm von T-Online, so die Kritik, verändere wichtige Einstellungen im Betriebssystem und erschwere damit die Nutzung anderer Internet-Provider.Dies hätte eine Umfrage bei rund 20 000 Firmen und privaten Nutzern des Online-Dienstes ergeben, so der Verband der deutschen Internet-Wirtschaft weiter, der sich zudem auf eigene Untersuchungen stützt.

T-Online-Sprecher Jörg Lammers kann sich diesen Vorwurf nicht erklären."Für diese Kritik gibt es keinen sachlichen Grund", sagte er am Dienstag dem Tagesspiegel.Die bei der Einführung der Zugangssoftware vor rund zwei Jahren vorhandenen Probleme seien längst aus der Welt geschafft worden.Grundsätzlich sei es zudem meist so, daß sich die Internet-Nutzer für einen Online-Dienst oder einen Provider entschieden, so daß die vom eco-Verband beschriebenen Probleme nicht relevant würden.Nur wenn häufig mit verschiedenen Anbietern experimentiert würde, könne es zu Konfigurationsproblemen kommen.

Ganz nachzuvollziehen ist der Zeitpunkt der eco-Kritik tatsächlich nicht, denn die massiven Probleme bei der Umstellung der T-Online-Zugangssoftware von Windows 3.1 auf Windows 95 wurden größtenteils behoben.Die Konflikte mit der für den Internet-Zugang wichtigen Datei winsock.dll können schon seit längerem dadurch gelöst werden, daß bei den Einstellungen die Option "Winsock-Support über Lader" gewählt wird.Seit einiger Zeit lädt die T-Online-Software die eigene Version der Winsock zudem nur noch in den Arbeitsspeicher und verzichtet darauf, die Windows-eigene Datei zu überschreiben, so daß die gleichzeitige Nutzung von T-Online und diversen Internet-Providern auf einem Rechner unproblematisch funktioniert.

Gleichwohl gibt es weiterhin Schwierigkeiten bei der Nutzung von Online-Diensten.Beim Einsatz von AOL unter Windows 95/98 wird beispielsweise die Netzwerkkonfiguration des Rechners verändert, um über die AOL-Verbindung auch Internet-Programmen wie dem Internet Explorer oder dem Netscape Communicator einen Zugang zu gewähren.Diese Einstellung kann jedoch zu Problemen mit anderen Internet-Anbietern führen.Auch bei CompuServe sind technische Probleme nicht unbekannt.Bei diesem Dienst treten die Schwierigkeiten unter anderem bei der Nutzung einer ISDN-Verbindung auf.Bei der Installation versucht CompuServe einen sogenanten Fossil-Treiber für den Verbindungsaufbau einzubinden, wie dies bislang auch von AOL gemacht wird.Leider kommen diese Treiber nicht gut miteinander aus, so daß die gleichzeitige Nutzung von AOL und CompuServe über Fossil-Treiber zu Inkompatibilitäten führt, die allerdings in der Regel durch Studium der Installationsunterlagen oder durch einen Anruf bei der Hotline behoben werden können.

Für die meisten Nutzer kommen diese Probleme überdies kaum zum Tragen, da nur die wenigsten Onliner über mehrere Accounts verfügen.Auch die Schwierigkeiten mit ISDN werden geringer.So will AOL in der nächsten Version der Zugangssoftware eine direkte Nutzung der Schnittstellen realisieren.Mit der zunehmenden Hinwendung der Online-Dienste zur Internet-Technologie verlieren die speziellen Zugangstechnologien ohnehin ihre Bedeutung.Auch der Wechsel vom einem Online-Dienst zum Internet-Provider und umgekehrt verliert damit seinen Schrecken.

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