Zeitung Heute : Täglich NRW (4)

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Auf dem Bundesparteitag der FDP in Köln hat Guido Westerwelle seine Partei zu einem eigenständigeren Kurs aufgerufen. Wie steht es heute um die FDP in NordrheinWestfalen – nach der Ära Möllemann?

Der Spitzenkandidat ist unsichtbar, und das, sagen nicht wenige in der nordrhein- westfälischen FDP, sei auch gut so. Ingo Wolf, Fraktionschef der Liberalen im Düsseldorfer Landtag, war bis vor kurzem ein auch im eigenen Lande weithin unbekannter Politiker. Dass sich das geändert hat, hat weniger mit seiner Nominierung zum Vormann der FDP für die Landtagswahl am 22. Mai zu tun als mit einem Umstand, der eher mit seiner Vergangenheit zu tun hat: Der Polit-Quereinsteiger und frühere Oberkreisdirektor hat aufgrund diverser Bezüge aus vergangenen und gegenwärtigen Tätigkeiten den Ruf des bestverdienenden Politikers der Republik abbekommen. Seither hängt ihm der vom Boulevard verliehene Spitzname „Florida-Wolf“ nach. Dass Wolf ausgerechnet diese Formel, die der Parteichef Guido Westerwelle seit vielen Jahren so energisch bekämpft wie weniges andere, wieder ins Gedächtnis gerufen hat, schadet ihm in der eigenen Partei doppelt.

So erfordert es derzeit gewisses detektivisches Geschick, eins der seltenen Plakate mit Wolfs Konterfei in den Straßen Nordrhein-Westalens zu sichten. Groß im Bild für „Das neue NRW“ wirbt in seinem Heimatverband Westerwelle, gelegentlich zu sehen ist auch der Landesvorsitzende Andreas Pinkwart. Dass Pinkwart sich im Frühjahr nicht selbst zum Spitzenmann hat küren lassen, gilt inzwischen manchen in der Partei als Fehler. Mit dem allgemein als integren Mann anerkannten Professor, sagt ein führender Freidemokrat, wäre es auch einfacher gewesen, die NRW-CDU in Schach zu halten. Die durch eine frühe Umfrage genährte Sorge, die Landes-FDP könnte an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, hat sich nämlich als unbegründet erwiesen. Die Sorge, dass die CDU am Ende alleine regieren könnte, ist aber geblieben.

Aber Pinkwart, von Natur aus auch kein Volkstribunentyp, nahm Rücksicht auf die internen Machtverhältnisse. Die sind nach der faktischen Alleinherrschaft, die der langjährige Landeschef Jürgen Möllemann etabliert hatte, nach wie vor nicht ganz einfach. Zwar gibt es nicht mehr eine Spaltung in Pro- und Contra-Möllemannianer, wie sie auch nach dessen Tod noch eine Zeitlang fortbestand. Aber neue Strukturen brauchen Zeit, sich zu etablieren. Und die ungewöhnlichen Wahlerfolge jener Zeit sind nicht vergessen. Unausgesprochen stehen sie nach wie vor als Maßstab im Raum. Wolfs Wahlkampf-Truck mit der großen „Staufrei!“-Aufschrift knüpft ja auch direkt an den Wahlkampfschlager des Jahres 2000 an: „NRW staut – Mölli baut!“

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