Zeitung Heute : TAG DER AUSSENSEITER BEI DER TOUR DE FRANCE: Magnus Backstedt als erster Schwede vorn

AUTUN .Außenseiter suchten gestern mit Konsequenz ihre Chance, während sich das Feld der 85.Tour de France immer mehr lichtet.Am Freitag nahmen nur noch 14 Teams mit 97 Fahrern von ursprünglich 189 in Dublin gestarteten den 19.Tagesabschnitt von La Chaux-de-Fonds in der Schweiz nach Autun in Frankreich in Angriff, der vom Schweden Magnus Backstedt im Spurt einer vierköpfigen Spitze gewonnen wurde.Das niederländische TVM-Team hat es nach den Doping-Ermittlungen in Frankreich vorgezogen, nach dem Ausflug in die Schweiz nicht wieder an den Start zu gehen.Fünf TVM-Fahrer waren zuvor noch im Rennen.An den beiden Vortagen waren bereits fünf Mannschaften nicht mehr angetreten.Die höchste Ausfallrate nach dem Zweiten Weltkrieg gab es 1948, als von 120 Startern nur 44 Paris erreichten.1906 bei der vierten Tour de France kamen nur 14 von 82 gestarteten Fahrern ins Ziel.

Auch die Favoriten hatten gestern einen "Ruhetag" eingelegt.Während eine 13 Fahrer zählende Außenseiter-Gruppe auf der 242 km langen, flachen Etappe durch das liebliche Burgund mit ungewöhnlich hohem Tempo fuhr, teilweise bis zu 18 Minuten Vorsprung hatte und in den ersten drei Stunden 150 Kilometer zurücklegte, ließ sich das verkleinerte Feld mit Spitzenreiter Marco Pantani (Italien) nicht aus der Ruhe bringen.Der schwedische Etappensieger, der von seinen Betreuern aus dem Gan-Team vor Freude vom Rad gerissen wurde, sorgte damit für den ersten Etappensieg eines Schweden.Backstedt hatte sich mit drei weiteren Begleitern gut zehn Kilometer vor dem Ziel aus der Spitzengruppe verabschiedet, die bereits 17 km nach dem Start ausgerissen war, und fuhr einen Etappendurchschnitt von 47 km/h.

Geändert hat das an der Gesamtwertung nichts.Einen Tag vor dem zweiten Einzelzeitfahren der Tour liegt der Italiener mit 5:42 Minuten Vorsprung vor dem Amerikaner Bobby Julich und Telekom-Kapitän Jan Ullrich (Merdingen/5:56) weiter in Front.Giro-Sieger Pantani kann schon langsam zur großen Feier rüsten, denn nach Lage der Dinge kann ihm beim Kampf gegen die Uhr kein Fahrer mehr gefährlich werden.Für den mit großen Siegambitionen gestarteten Ullrich geht es eigentlich nur noch um den zweiten Platz.

Auch Sprinter Erik Zabel im Grünen Trikot des Punktbesten hat nach dem "Ausflug" der Ausreißer nur noch eine Chance, den angestrebten Etappensieg zu verwirklichen.Nach drei zweiten Plätzen kann der Deutsche Meister nun nur noch auf die prestigeträchtige letzte Etappe am Sonntag in Paris hoffen.Das Grüne Trikot ist ihm nicht mehr zu nehmen.Das Bergtrikot ist ebenfalls beim Franzosen Christophe Rinero in festen Händen, nachdem der bisherige Besitzer Roldolfo Massi aus Italien am Vortag wegen der polizeilichen Ermittlungen in der Doping-Affäre nicht mehr dabei ist.

Nicht gerade euphorisch ist auch Jan Ullrich in die letzten Etappen gegangen."Was in mir vorgeht, kann ich nicht so recht beschreiben.Ich bin gleichzeitig unglaublich wütend und maßlos enttäuscht", schrieb der Ex-Rostocker am Freitag in seiner Kolumne in der Bild-Zeitung."Denn uns allen wurde ein großes Rennen geklaut.Von Festina und TVM, die den Doping-Skandal lostraten.Von den Staatsanwälten und der Polizei, die plötzlich das ganz große Rad drehen." Ullrich übte deutliche Kritik an der Vorgehensweise der französischen Behörden, betonte aber, daß Doping-Kontrollen sein müßten.Viel Lob sprach der Merdinger seinem Teamgefährten Bjarne Riis aus, der mit seinem diplomatischen Geschick die Situation bei der "Bummeletappe" am Mittwoch gerettet hat.Riis hat am Freitag entgegen vorherigen Ankündigungen per Handschlag seinen Vertrag mit dem Team Telekom um zwei Jahre verlängert.

Am heutigen Tag steht vor den Fahrern als vorletzte Tour-Etappe noch ein 52 km langes Einzelzeitfahren an, das mit vielen kleinen Anstiegen und engen Kurven gespickt ist, ehe es am Sonntag in Richtung Paris zum großen Finale geht.

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