Zeitung Heute : Tagesgeld als Reserve

Direktbanken bieten Alternativen zum Sparbuch

Helmut Zermin

Sparen für die Altersvorsorge ist wichtiger denn je. Doch oft fallen Steuernachzahlungen, Reparaturen am Haus oder Autoreparaturen höher aus als erwartet. Jeder Anleger sollte sich daher schon bei der Geldanlage ein Polster für den Notfall schaffen und sein Vermögen so anlegen, dass er es bei Liquiditätsengpässen ohne große Verluste zu Bargeld machen kann.

Immer noch kommt das Sparbuch dem Sicherheitsbedürfnis vieler Sparer sehr entgegen. Denn selbst bei Zahlungsschwierigkeiten oder der Pleite eines Geldinstituts sorgt ein Einlagensicherungsfonds der Kreditinstitute dafür, dass jeder Sparer sein Geld zurückerhält. Für viele Anleger ist das Sparbuch daher eine einfache und sichere Anlageform. Dabei fallen keine Kosten für die Anlage und Verwahrung wie zum Beispiel Kauf- und Verkaufsspesen oder Depotgebühren an. Auch sind keine Mindestanlagebeträge vorgeschrieben. Allerdings können binnen Monatsfrist nur 1500 Euro abgehoben werden. Sonst sind Strafzinsen fällig. Umgekehrt gibt es aber derzeit für Sparguthaben meist nur magere Zinsen von 1,5 Prozent. Die Kündigungsfrist für ein Sparbuch beträgt üblicherweise drei Monate.

Eine lohnendere Alternative sind Tagesgeldkonten, wie sie insbesondere von den Direktbanken angeboten werden. Hier gibt es derzeit bis zu 3,5 Prozent Zinsen vom ersten Euro an.Die Kontoeröffnung erfolgt per Telefon, per Post oder per Internet. Beim Tagesgeldkonto können Anleger jederzeit und völlig formlos über ihr Geld verfügen. Allerdings bedarf es hierzu zusätzlich eines Girokontos bei einer Filialbank. Der Auftrag per Internet, Fax oder Telefon reicht dann, um das Geld aufs Girokonto zu überweisen.

Wer dem Online- oder Telefonbanking misstraut, dem bleibt die Möglichkeit eines Festgeldkontos. Ein Festgeldkonto kostet in der Regel keine Gebühr und bringt bei einer Laufzeit von 90 Tagen bis zu 3,75 Prozent Zinsen. Häufig beträgt die Mindest-Anlagesumme allerdings 2500 Euro. Die Mindest-Anlagedauer auf einem Festgeldkonto beträgt 30 Tage und dies ist auch der Haken.

Wer von vornherein weiß, wann auf ihn größere Ausgaben zukommen, fährt mit einem Festgeldkonto ziemlich gut. Doch Ausgaben kommen besonders in finanzieller Not unverhofft. Wer dann an sein Festgeld will, steht nicht selten im Regen. Denn nur wenige Banken lassen mit sich reden und zahlen das einmal angelegte Festgeld vorzeitig zurück. Und auch in diesem Falle werden Strafzinsen fällig. Festgeld ist aber beispielsweise eine geeignete Parkanlage für die Zwischenverwahrung einer höheren Summe, die vielleicht ein Jahr später für die Finanzierung einer Immobilie zur Verfügung stehen soll.

In Niedrigzinsphasen können Anleger mit Festgeld ihr Erspartes parken, um bei steigenden Zinsen schneller reagieren zu können. Bei erwartetem Anstieg des Zinsniveaus ist das Monats-Festgeld die nahezu ideale Warteposition, denn die Zinsen für das Festgeldkonto steigen mit dem allgemeinen Zinsniveau. Anleger nähern sich damit jeden Monat dem Hochzinsniveau und das ohne Kursrisiko, wie bei Anleihen in solchen Phasen. Bei sinkenden Zinsen heißt es dagegen rechtzeitig umsteigen, etwas auf Bundesobligationen oder Bundesanleihen. So kann der Anleger die hohen Zinsen über die volle Laufzeit dieser festverzinslichen Wertpapiere mitnehmen.

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