Zeitung Heute : Talk und Trampel

Harald Martenstein

Gibt es noch etwas zu sagen zu Eva Hermans Rauswurf bei der Kerner-Talkshow? Vielleicht, dass es sich dabei um den Offenbarungseid des Moderators Johannes B. Kerner handelt. Ein Talkmaster ist ein Gastgeber, unabhängig davon, ob er die Meinungen seiner Gäste teilt oder nicht. Er darf kritisch fragen, manchmal muss er es sogar, aber wenn es hart auf hart kommt, hat er seine Gäste in Schutz zu nehmen und nicht hinauszuwerfen. Im deutschen Fernsehen haben Talkshow-Gäste sich schon häufig grob daneben benommen, unvergessen auch in dieser Hinsicht bleibt Klaus Kinski. Eva Herman aber hat nichts anderes getan, als ihr übliches Eva-Herman-Zeug zu erzählen.

Wenn ich die Thesen einer Person unerträglich finde, dann lade ich diese Person eben nicht zu meiner Talkshow ein. Ich kann auch niemanden zu meiner Talkshow einladen unter der Voraussetzung, dass diese Person ihre Thesen in der Sendung zu widerrufen hat. Wenn aber andere Talkshow-Gäste damit drohen, die Sendung zu verlassen, dann muss der Moderator versuchen, ihnen das auszureden, er darf sich jedenfalls nicht erpressen lassen, auch nicht von einer so bedeutenden Moralistin und großen Steuerfrau wie Margarethe Schreinemakers.

Sobald rechte Argumente ausgesprochen werden, versagt das öffentlich-rechtliche Fernsehen komplett. Es tut so, als könne man über rechte, tatsächlich oder vermeintlich nazinahe Thesen nicht diskutieren, als könne man davor nur die Flucht ergreifen, als seien diese Argumente so stark und unwiderlegbar, dass jeder, der sie hört, davon automatisch zum Rechtsradikalen wird. Wenn man jede Person, die Unsinn redet, aus den Sendungen hinauswerfen würde, wäre es bald leer auf den deutschen Bildschirmen. Was Kerner mit Herman veranstaltete, war keine Diskussion, sondern eine Hexenverbrennung, bei der Kerner sich selber auf billigstmögliche Weise zum Gottkönig der politischen Korrektheit zu stilisieren versuchte. Herman wurde als Moderatorin gefeuert und ist derzeit beliebtestes Spottobjekt. Es ist kein schöner Anblick, wenn auf jemandem herumgetrampelt wird, der am Boden liegt, egal, welche Ansichten diese Person vertritt.

Eva Hermans Argument, das zu ihrem Rauswurf führte – sinngemäß: im „Dritten Reich“ gab es auch Gutes, zum Beispiel die Autobahnen – habe ich in meiner Kindheit ziemlich oft gehört und, wissen Sie, der Satz als solcher ist gar nicht mal falsch. „Münchhausen“ ist ein guter Film, Max Schmeling war ein guter Boxer. Der Satz „Die Autobahnen waren gut“ ist als Aussage über die Nazizeit ungefähr so, als ob nach dem Untergang der „Titanic“ zwei Personen im Eiswasser treiben, und die eine sagt zur anderen: „Aber das Abendessen hat hervorragend geschmeckt!“ Anschließend geht man unter.

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