Zeitung Heute : Tapas auf dem Pfefferberg

Mitte November eröffnet mit „Tauro“ ein neues spanisches Restaurant

Bernd Matthies
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400 Plätze, 70 Mitarbeiter, drei Geschosse. Inmitten der einst verfallenen Brauerei zur Schönhauser Allee hin arbeitet Gerd...

Die Liebe zur spanischen Küche ist Gerd Spitzer nicht auf den ersten Blick anzusehen. Er kommt, deutlich hörbar, aus Berlin und würde sein Geld vermutlich auch mit Bierkneipen hereinbringen. Doch der 54jährige Erfolgsgastronom hat sich mit Tapas, Paella und gegrilltem Fleisch durchgesetzt, und deshalb ist genau das auch das Programm, mit dem er nun Maßstäbe setzen will: „Tauro“ heißt das dreigeschossige Restaurant, das er Mitte November auf dem Pfefferberg eröffnen will, im Herzstück der einst völlig verfallenen Brauerei zur Schönhauser Allee hin. Ein paar Millionen Investitionssumme, 70 Mitarbeiter, 400 Plätze. Seit einem Jahr wird geplant und gearbeitet.

Spitzer ist einer, der sich gern bedeckt hält. Gelernter Kellner, kennt die Branche aus dem ff, macht zusammen mit seinem Partner Oliver Liese alles selbst, seit er als erster Pächter der Gastronomie in der neuen Spielbank fast auf den Bauch gefallen wäre. Er hat, sagt er, die Sache mit den Tapas nach Berlin gebracht, das könnte sein. Seine Restaurants fliegen immer unter dem Radar der Restaurantführer, das soll auch so sein. Ausgangsbasis war das „Las Olas“ am Alexanderplatz, unmögliche Lage, sieht aus wie eine Touristenfalle. Aber bitte: Hier wird seriös gekocht, ein Billigheimer ist das nicht. „Mar y Sol“ am Savignyplatz war das nächste, dann, beim „Vivolo“ am Hackeschen Markt, kam sogar ein leibhaftiger Sternekoch ins Spiel, Oliver Berfelz, der nun auch die Küchenleitung im „Tauro“ übernehmen soll.

Nicht, dass er es leicht hätte mit seinem Chef. Gerd Spitzer hatte zum Beispiel die Idee, im neuen Restaurant die perfekte Paella zu servieren, und zwar mit dem richtigen, aus Spanien stammenden Reis. Den bekam er in Berlin nicht, machte sich also mit einem also mit einem aus Spanien stammenden Koch auf nach Valencia, „da hab ich in fünf Tagen 80 Paellas probiert“. Dabei hat er er nicht nur den richtigen Reis gefunden, sondern auch den „Arroz Caldoso“, serviert in einer Schüssel, zubereitet mit zwei Sorten Wurst und vier Sorten Fleisch. Ordert ein Gast, kriegt er eine kleine Schüssel, ordern sechs, kriegen sie eine große.

Und das mit Spanien ist nur das Erdgeschoss. Die komplette Einrichtung kommt von drunten, teils aus Mallorca, teils vom Festland, nichts Modernes, kein Design. Statt dessen Deckengemälde, dunkles Holz, handbemalte Fliesen. Und ein Feinkostgeschäft, in dem es Tapas, Wein, Öl, Schinken, Wurst und auch ein paar Dinge aus Italien schon zum Frühstück gibt.

Oben im alten Ballsaal des Gebäudes geht es um Grill und Pasta. Das klingt banal, wird aber mit mindestens der gleichen Sorgfalt in Angriff genommen. Herzstück wird ein amerikanischer Grill namens „Wolfgang“, schwer beherrschbar, der 650 Grad erzeugt und Steaks im US-Stil produziert, außen Kruste, innen butterzart. Ein spanischer Holzkohlengrill geht die Sache etwas dezenter an, und ein argentinisches Gerät ist auch noch da, wenn schon, denn schon. Das Fleisch soll Spitzenqualität haben, aber nicht exorbitant teuer sein, „da nehme ich vom Kobe nicht das Filet, sondern die Hüfte, die will kein Mensch sonst, dabei schmeckt sie genauso, und man kann sich das auch leisten“. Auch hier oben macht Spitzer bei der Einrichtung keine Kompromisse. Die rostigen Stahlträger in der Mitte des acht Meter hohen Saals tragen zwar nichts, sollen aber Atmosphäre schaffen. „Die Nieten waren in Deutschland nicht zu bekommen“, sagt er, „jetzt habe ich sie aus Polen geholt, 6000 Stück.“

Ein handgeschmiedetes Gitter schirmt den Weinbestand ab, und der rosafarbene Marmor, der in grob gebrochenen Stücken einer Kaminecke Stimmung geben soll, wurde aus Italien angekarrt und vom Spezialisten Stück für Stück zu einer Wandfläche zusammengemörtelt. 1600 Quadratmeter insgesamt sind eine Fläche, die gefüllt werden will, und das scheint höchst respektabel zu gelingen. Unten gleich am Eingang wäre theoretisch noch Platz. aber warum heißt das Restaurant gleich „Tauro“? Richtig, ein großer Stier muss auch noch rein, gleich vorn. Vom Biergarten gleich oben im ersten Stock reden wir dann ein andermal.

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