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CARLA RHODE

Wirr: "Im Namen der Unschuld" von Andreas KleinertVON CARLA RHODE"Mein Film ist eine Liebesgeschichte, ein Kriminalfilm, ein Gesellschaftsdrama", kommentiert Regisseur Andreas Kleinert.Haben Sie es nicht ein bißchen kleiner? Besser wäre es gewesen, Sie hätten sich auf eins der drei Genres konzentriert anstatt den Film inhaltlich zu überfrachten - denn so taugt er weder als Thriller noch als Bestandsaufnahme von Nachwendebefindlichkeiten in einer ostdeutschen Kleinstadt.Und als Liebesfilm schon gar nicht. Warum lebt Anna (Barbara Sukowa) in einem Sanatorium? Angedeutet wird nur, daß ihre Tochter Marie (Katharina Zapatka) sie drängt, ins Leben und in die gemeinsame Wohnung zurückzukehren.Anna zögert die Entscheidung bei einem Wiedersehen hinaus.Es ist die letzte Begegnung zwischen Mutter und Tochter, kurz danach ist Marie vergewaltigt und ermordet von dem Geschäftsmann Robert Kunze (Udo Samel), der die Studentin in seinem Auto mitnahm. Nun folgt der Film dem Täter, einem beruflich erfolgreichen, privat aber in Abhängigkeiten verstrickten Versicherungsvertreter.Im stimmigen Psychogramm von Udo Samel ist das ein labiler, verschlagener Typ.Die finanzkräftige Ehefrau (Gudrun Gabriel) ist ihm gut genug, den Start in eine neue berufliche Karriere zu ermöglichen, doch er betrügt sie mit ihrer Freundin Sandra (Ulrike Krumbiegel), die ihm, als er angeklagt wird, ein Alibi verschafft.Und noch eine Hauptfigur wird eingeführt.Nicht weniger als acht Biographien werden in dieser kruden Story miteinander verknüpft. Weil sich sein Vorgänger im Amt zu DDR-Zeiten politisch belastet hat, wird auf den Mordfall Marie Loeser der Wessi Michaelis (Matthias Habich) angesetzt, ebenfalls eine verkrachte Existenz.Hilfe bekommt er von Anna, die der tragische Tod der Tochter zwingt, die Isolation aufzugeben.Ermittlungen, ein Geständnis, der Prozeß und ein Urteil, das den Mörder freispricht und deshalb Anna dazu bringt, ins Sanatorium zurückzukehren, wohin ihr ein verwirrter Kommissar Michaelis hinterherstolpert. Was wollte Andreas Kleinert zeigen? Daß die neuen politischen Verhältnisse in Deutschland alles durcheinanderwirbeln? Daß auch im Rechtsstaat Fehlurteile gefällt werden? Daß sensible Menschen auf Mißerfolge entweder mit Gewalt oder mit Psychosen reagieren? Viele Fragen, verschwommene Antworten.Schade, hier wurden exzellente Schauspieler unter Niveau beschäftigt; den verworrenen Film können sie ohnehin nicht retten. Hackesche Höfe 4

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