Zeitung Heute : Teamarbeit

Wer sich einer Baugruppe anschließt, muss auf lange Diskussionen gefasst sein Jeder Beschluss muss einstimmig sein

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Freie Grundstücke sind rar im Raum Berlin. Wer sich trotzdem den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen und Haus oder Wohnung nach eigenen Vorstellungen bauen will, kann sich einer Baugruppe anschließen. Meist bieten Architekten oder Grundstückseigentümer ein bestimmtes Gelände für solche Gruppen an. Voraussetzung ist, dass die Teilnehmer finanziell abgesichert sind und einen bestimmten Betrag anzahlen können. Der Rest wird in der Gruppe verhandelt.

Planen wir ein eigenes Blockheizkraftwerk oder heizen wir mit Fernwärme? Brauchen wir einen Aufzug? Soll ein Spielplatz auf das Gelände? Jedes Detail muss einstimmig von allen Mitgliedern der Baugruppe beschlossen werden. „Teilnehmer sollten darauf gefasst sein, dass es langwierige Diskussionen gibt“, sagt der Berliner Rechtsanwalt und Notar Jann Fiedler. „Schließlich will die Gruppe ein perfektes Haus bauen.“

Fiedler betreut Baugruppen von Beginn an. Meist gründet die Gruppe für die Bauzeit von ein bis zwei Jahren eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Damit tritt sie als Gemeinschaft auf – vor dem Architekten, dem Grundstückseigentümer und der Bank. Der Anwalt setzt die Verträge auf und sorgt nach Abschluss der Bauphase dafür, dass die einzelnen Mitglieder die Papiere für ihre Wohnung oder ihr Haus bekommen.

Gibt es Streit in der Baugruppe, tritt Fiedler auch als Vermittler auf. Meist sind überraschende Mehrkosten der Grund für Ärger. Wärmedämmung, die Heizungsanlage, die Größe der Bäder: Jede Änderung ist teuer. Obwohl die Maßnahme dauerhaft sinnvoll ist, sprengt sie bei manchen Mitgliedern den Rahmen. Fiedler sucht in solchen Fällen einen Kompromiss. Finanziell bessergestellte Mitglieder können etwa zu bestimmten Konditionen einen Beitrag vorschießen, die anderen zahlen später nach. Um Konflikte zu vermeiden rät Fiedler, sich genau über den Architekten des Projekts zu informieren. „Er sollte unbedingt Bauerfahrung haben. Eine gute Kostenkontrolle steht an erster Stelle.“

Ist das Haus fertig, löst sich die Baugruppe als juristische Person wieder auf. Jeder Eigentümer kann nun entscheiden, ob er seine Wohnung oder das Reihenhaus vermietet oder selbst darin wohnt. Meist gibt es jedoch kaum Veränderungen bei den Bewohnern. „Wenn die Baugruppe ihr Projekt erfolgreich überstanden hat, bestehen gute Chancen, dass auf dem Gelände eine aktive und freundliche Nachbarschaft entsteht“, sagt Fiedler.

Einen Leitfaden für Baugruppen bietet die Webseite des Senats: www.stadtentwicklung.berlin.de/bauen Tanja Tricarico

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