Zeitung Heute : Teamgeist in Uniform

Die amerikanische Firmenkultur erfordert Anpassungsfähigkeit

Rudi Kulzer

Jobben in Uniform? Kein Problem für amerikanische Teenager! Eine Business-Uniform ist in den USA nichts Negatives. Im Gegenteil: Auf diese Weise seine Firmenzugehörigkeit zu zeigen, löst angenehme Gefühle aus. Sogar Microsoft-Chef Bill Gates oder Intel-Boss Craig Barrett tragen bei ihren Keynotes auf großen Technik-Messen stolz das Uniform-Hemd ihres Unternehmens.

Siemens-Chef Heinrich von Pierer dagegen würde nach den Geschäftsgepflogenheiten hierzulande wohl kaum auf den weißen Kragen und die Krawatte verzichten. Aber deutsche Jugendliche denken kaum (noch) wie der Chef des größten deutschen Elektronikkonzerns. Haben doch die mit Botschaften bedruckten Baseball-Caps und T-Shirts aus den USA inzwischen die ganze Welt erobert. Zu einer erfolgreichen Gruppe zu gehören, ist „in“ im globalen Dorf. Die braune Coca Cola-Flasche und die goldenen Bögen der Bulettenbrater gehören zum Alltag – und so auch die braune Uniform der Paketausfahrer von United Parcel Services (UPS). Sie ist positiv besetzt, weil die „braunen Jungs“ die Überbringer schöner Geschenke aus dem Versandhandel und den wachsenden Lieferungen der Internet-Shops sind. In der Sitcom-Serie „King of Queens“ haben sie es sogar zur TVBerühmtheit gebracht. Serienheld Doug Heffernan ist als hart arbeitender Kurierfahrer bei UPS beschäftigt. Sein Team ist ihm ebenso wichtig wie seine Familie. Business-Uniform zu tragen, gilt in den USA nämlich auch als Zeichen einer Geschäftskultur, die Teamplayer in den Mittelpunkt stellt.

Wer in Deutschland bei einem amerikanischen Unternehmen arbeiten will, muss sich dessen bewusst sein. Amerikanische Unternehmen sind stark hierarchisch geordnet, Supervisoren und Kontrolleure achten akribisch darauf, dass die Anweisungen befolgt und die Vorgaben erfüllt werden. Ist das Team erfolgreich, nutzt das auch dem Einzelnen. Landet man einen Misserfolg, muss man ihn auch gemeinsam ausbaden. Ob die mit der neuen McDonald’s-Kapagne geforderte Liebesfähigkeit – alle Mitarbeiter werden das Schildchen „Ich liebe es“ tragen – in Deutschland vom Personal bewiesen und vom Kunden akzeptiert wird, ist ungewiss.

Der Autor war elf Jahre Handelsblatt-Korrespondent im Silicon Valley.

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